VON BENJAMIN WEINMANN

Anfang Woche hat die Swiss-Piloten-Gewerkschaft Aeropers die Verhandlungen mit dem Management für einen neuen Gesamtarbeitsvertrag (GAV) 2011 offiziell für gescheitert erklärt. Die Positionen liegen zu weit auseinander.

Dem «Sonntag» liegt nun ein internes Schreiben vor, das Swiss-COO Rainer Hiltebrand im Anschluss an den Eklat den rund 920 Airbus-Piloten schickte. Darin enthalten ist das konkrete Angebot für einen neuen GAV. Aufgrund zweier zusätzlicher Ferientage, von 3 Prozent mehr Lohn, mehr Pensionskassen-Beiträgen, einer Erfolgsbeteiligung und weiterer Leistungen kommt Hiltebrand zum Schluss: «Diese Verbesserungen bedeuten einen Mehrwert von 15 Prozent.» Die 3 Prozent Lohnerhöhung würde bei einem Durchschnittslohn von geschätzten 9500 Franken Mehrkosten von 3,1 Millionen Franken pro Jahr für die Swiss bedeuten.

Die Aeropers behauptet, dieses Angebot habe die Swiss so nie offiziell unterbreitet. Dem Vernehmen nach wurde aber zumindest darüber diskutiert. Fakt ist: «Das Angebot liegt auf dem Tisch und wir sind gesprächsbereit», sagt Swiss-Sprecherin Susanne Mühlemann.

Doch die Fronten bleiben verhärtet. Denn es scheint, als würde sich Aeropers auch mit diesem Angebot nicht zufriedengeben. Bereits 2008 lehnten sie ein neues GAV-Paket der Swiss ab, das bis zu 15 Prozent Mehrwert gebracht hätte. Stattdessen pokerte man und wartet nun auf ein noch besseres Angebot. «Die Hauptanliegen der Piloten sind Verbesserungen im Bereich der Einsatzrichtlinien, der Ruhezeit und der Ferien», sagt Sprecher Tom Steffen. «Gesamthaft würden die Forderungen zu einer Erhöhung der Pilotenkosten bei der Swiss von 24,9 Prozent führen.» Die 30 Prozent, von denen die Swiss spreche, seien nicht korrekt.

Die Stimmung zwischen dem Personal und dem Management ist nicht zuletzt auch wegen der internen Kommunikation gereizt. Schon vor dem Scheitern der Verhandlungen verschickte COO Hiltebrand den Piloten ein anderes E-Mail, in dem er die Forderungen der Aeropers scharf kritisierte: «(...) die breite Öffentlichkeit wird nie verstehen, wieso ein Pilot, der einen Job hat, von dem viele träumen, der jedes Jahr eine automatische Lohnerhöhung erhält und am Ende seiner Karriere 200000 Franken verdient, der mit 58 in Pension gehen kann und keine Pensionskassenbeiträge zahlen muss und der im Jahr ca. 185 Tage arbeitet, mit seinen Arbeitsbedingungen nicht zufrieden ist. Das Risiko, dass es heissen wird ‹Chlöne uf hohem Niveau› ist da sehr gross.» Und er stellt klar: «Eine Rückkehr zu Arbeitsbedingungen, wie sie in der Swissair waren, wird es nicht mehr geben (...).»

Bei den Piloten kam dieses E-Mail alles andere als gut an. «Diese Aussagen zeigen, dass unsere Bedürfnisse mit falschen Angaben bewusst heruntergespielt werden», sagt Aeropers-Sprecher Tom Steffen. So würde man mehr als 185 Tage fliegen. Die Swiss-Piloten fühlen sich nicht zuletzt gegenüber den Piloten der deutschen Mutter Lufthansa benachteiligt, die mehr verdienen. Zudem stammt ihr GAV aus dem Jahr 2006, also einer Turnaround-Phase der Firma. Gelüste weckt auch der zuletzt erwirtschaftete Gewinn von 368 Millionen Franken.

Der Zusammenhalt unter den gekränkten Piloten scheint gestärkt. Diese Woche informierte der Aeropers-Vorstand an zwei Veranstaltungen am Klotener Schluefweg seine Mitglieder über den aktuellen Stand. Gekommen sind etwa 300 Piloten. Auch das Management lud zu zwei Aussprachen ein. Laut «Sonntag»-Informationen folgten diesen Einladungen jedoch markant weniger Piloten.

Ende März läuft der laufende GAV definitiv aus. Bis dann müssen die Piloten fliegen. Ab April herrscht jedoch ein vertragsloser Zustand – ein Streik wäre möglich. Rückendeckung erhält die Aeropers von den Lufthansa-Piloten: «Wir hegen grosse Sympathie für die Anliegen unserer Kollegen in der Schweiz und sprechen ihnen unsere Solidarität aus», sagt Jörg Handwerg, Sprecher der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit. Zwar könnten die Lufthansa-Piloten im Falle eines Streiks rein rechtlich die Übernahme von Swiss-Flügen nicht ablehnen. Aber es stelle sich die Frage, ob die Lufthansa überhaupt über entsprechende Reservekapazitäten verfügen würde, so Handwerg.


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