Der CS-Verwaltungsratspräsident Urs Rohner mache in den letzten Tagen einen entspannten Eindruck, heisst es aus seinem Umfeld. Das erstaunt angesichts der schwierigen Situation, in der sich die Bank befindet: Jurist Rohner muss sich um den Steuerstreit mit den USA kümmern und der Jahresabschluss war enttäuschend.

Die renommierte unabhängige Analysefirma Creditsights schreibt in einem Bericht: «Die Schweizer Grossbank hat den Wettbewerbsvorsprung verloren, den sie sich zu Beginn der Finanzkrise erkämpft hatte.» Am augenscheinlichsten kommt diese Preisgabe in der Investmentbanking-Abteilung zum Ausdruck. Die Abteilung, in der rund 40 Prozent der Beschäftigten angesiedelt sind, trug noch 79 Millionen Franken zum Vorsteuergewinn im zweiten Halbjahr bei.

Zwischen Oktober und Dezember generierten 7000 Mitarbeiter der Abteilung für festverzinsliche Anlagen einen Ertrag von gerade mal 39 Millionen Franken. Für Investmentbanking-Chef Eric Varvel ist das Resultat ein Desaster.

Die Bank kam ohne direkte staatliche Hilfe durch die Finanzkrise, stellte im Investmentbanking zahlreiche neue Spezialisten ein und profitierte so vom Aufschwung im Jahr 2009. Die Bankführung unter Konzernchef Brady Dougan setzte mit Hochdruck ihre «One-Bank»-Strategie um, indem sie Private-Banking, Asset Management und Investmentbanking in den Dienst der Kunden stellte.

Doch spätestens mit der Veröffentlichung der Quartalszahlen vergangene Woche ist klar, dass diese Strategie einer kundenorientierten, kapitaleffizienten integrierten Bank möglicherweise überdacht werden muss.

Denn auch der Kernbereich Vermögensverwaltung zeigt erstmals Schwächen. Seit Ausbruch der Finanzkrise 2008 konnte die CS 162 Milliarden Franken Neugeld akquirieren, so viel wie keine andere weltweit tätige Grossbank. Doch 2011 ist der Neugeldzufluss von Quartal zu Quartal kleiner geworden (siehe Grafik) und erreichte im vierten Quartal noch vier Milliarden Franken.

Das ist nur knapp mehr als der wesentlich kleinere Geschäftskundenbereich Corporate & Institutional, der im gleichen Zeitraum 3,5 Milliarden Franken anzog und für einen Lichtblick in der trüben Bilanz sorgte. Die Abteilung, die vor allem das Schweizer Geschäftskundensegment bearbeitet, erzielte im vierten Quartal einen Vorsteuergewinn von 183 Millionen Franken.

Beim wesentlich grösseren Wealth Management waren es 284 Millionen Franken. Dort beträgt der Zuwachs übers ganze Jahr 37,8 Milliarden. Das ist zwar immer noch beachtlich, doch er liegt 15 Prozent unter dem Vorjahr. Die Zahlen seien nicht schlecht, wenn man die Eintrübungen in den Volkswirtschaften und an den Märkten berücksichtige, was sich in einer Zurückhaltung beim Neugeld bemerkbar mache, begründet Sprecher Marc Dosch.

Doch im gleichen Marktumfeld konnte die UBS, die 2010 noch einen Abfluss von 18,2 Milliarden Franken verzeichnete, 35,6 Milliarden Neugeld anziehen. Diese Entwicklung und erodierende Margen setzt Privatbanking- und Schweiz-Chef Hans-Ulrich Meister unter Druck. Er ist weit von seinem selbst gesteckten Ziel entfernt, in der Vermögensverwaltung 800 Millionen Franken zusätzliche Erträge zu erwirtschaften.

Das enttäuschende Ergebnis ist im Aktienkurs abzulesen. Seit Urs Rohners Amtsantritt als Verwaltungsratspräsident vor bald einem Jahr hat sich der Kurs der CS-Aktie unterdurchschnittlich entwickelt. Im Vergleich zur UBS war die Performance der CS-Aktien schlecht (siehe Grafik). Rohner wird sich trotz US-Steuerstreit-Dossier in den nächsten Monaten vermehrt um die künftige Strategie der Bank kümmern und sich Gedanken über die Zusammensetzung der Geschäftsleitung machen müssen.

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