Coop-Chef Joos Sutter plant die Zukunft des Einkaufens: «Wir starten im Sommer einen Test in zwei Filialen mit Self-Scanning-Kassen, wo der Kunde die Produkte am Ende des Einkaufs an einer stationären Kasse selber einscannen kann.» Bezahlt werden kann sowohl mit Bar- als auch mit Plastikgeld. Hostessen unterstützen die Kunden bei Problemen. Der Test, der in Zürich und Bern durchgeführt wird, dauert bis Ende Jahr. Danach wird über die Lancierung in anderen Filialen entschieden.

«Die Self-Scanning-Kasse ist vor allem für kleine Einkäufe mit dem Korb geeignet und in Filialen mit starken Verkaufsspitzen», sagt Sutter, «zum Beispiel in der Nähe von Schulen oder grossen Büros, wo die Leute in der Mittagspause oder nach Feierabend einkaufen gehen.» Damit liessen sich die Wartezeiten an der Kasse deutlich verkürzen, sagt der Bündner und verweist auf entsprechende Erfahrungen von ausländischen Händlern. Das Schlangestehen gehört zu einer der häufigsten Kundenbeschwerden. Allerdings geht es langfristig wohl auch darum, Personalkosten zu sparen, auch wenn dies Migros und Coop stets dementieren. Doch ist es evident, dass sich nach einer gewissen Zeit, die Kundschaft an die Selbstbedienung gewöhnt und keine Hostessen-Hilfe mehr benötigt. In vielen Ländern ist das Self-Scanning schon gang und gäbe. In den belgischen «Red Market»-Filialen zum Beispiel gibt es sogar nur noch Self-Scanning.

Bereits 2005 hatte Coop das Self-Scanning mit dem eigenen System Passabene lanciert. Allerdings beschränkte sich dieses auf Hand-Scanner, mit denen die Produkte direkt während des Einkaufs eingelesen wurden. Am Schluss gibt der Kunde den Scanner der Kassierin ab und bezahlt. Allerdings besteht die Gefahr, dass der Kunde wegen der Stichprobenkontrolle alle Artikel nochmals aufs Förderband legen muss. Zudem war Passabene bei der Erfassung von Preisen, die während des Tages angepasst wurden, bis vor kurzem fehleranfällig.

Heute bietet Coop Passabene in 80 grossen Filialen an, und noch vor einigen Jahren sprach der damalige Coop-Chef und heutige Coop-Präsident Hansueli Loosli von 100 anvisierten Passabene-Filialen. Doch nun heisst es, ein weiterer Ausbau sei nicht geplant. Immerhin kommt es zu einer Änderung: «Wir möchten bei Passabene ermöglichen, dass man direkt mit dem Gerät bezahlt, ohne nochmals an eine bemannte Kasse gehen zu müssen», sagt Joos Sutter. Der Kunde wird somit den Handscanner an einer Station abgeben und mit der EC-Karte bezahlen.

Mit der Self-Scanning-Kasse folgt Coop dem Beispiel der Migros, welche vergangenen September das eigene Self-Scanning-System Subito lanciert hatte – sowohl mit Handgeräten als auch mit der Selbstbedienungskasse. «Der Pilot ist zwar noch nicht abgeschlossen, aber bereits heute können wir von einem Erfolg sprechen, der unsere Erwartungen übertroffen hat», sagt Migros-Sprecherin Monika Weibel. Der bargeldlose Einkauf habe in den mit Subito ausgerüsteten Filialen um 50 Prozent zugenommen. Langfristig rechnet die Migros, dass rund die Hälfte aller rund 700 Migros-Supermärkte mit Subito ausgerüstet werden.

Bei der Migros-Tochter Denner sind die so genannten Self-Checkout-Kassen nicht geplant. Man beobachtet die Entwicklung zwar interessiert, sagt Sprecherin Paloma Martino, doch komme dieses System aus räumlichen Gründen in vielen Filialen nicht infrage. Spar-Chef Stefan Leuthold sagt, man verfolge die Entwicklung ebenfalls. An einen langfristigen Erfolg von Systemen wie Subito und Passabene glaubt er aber nicht. Denn für ihn ist klar: «Die Zukunft liegt beim Scannen und Bezahlen per Handy.» Entsprechende Software sei Spar International zurzeit am Prüfen.

Zumindest das Bezahlen per Smartphone ist in Schweizer Spar-Filialen bereits möglich, sofern der Kunde das entsprechende App Powerpay auf sein iPhone geladen hat. Allerdings muss Leuthold eingestehen, dass erst ein äusserst tiefer, einstelliger Prozentanteil der Kunden diesen Service in Anspruch nimmt. Ein erstes, gross angekündigtes Handy-Bezahlprojekt mit dem Namen Vanilla aus dem Ringier-Verlagskonzern entpuppte sich gar als Rohrkrepierer für Spar und andere Händler und wurde nach kurzer Zeit wieder eingestellt. Trotzdem lassen auch Coop und Migros verlauten, man prüfe das Bezahlen per Handy.

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