Roby Gasser bleibt dabei: «Für mich steht ausser Frage, dass die beiden Delfine vergiftet wurden.» So konsequent der Connyland-Besitzer diese umstrittene These vertritt, geht er auch vor, wenn es um den Schutz seines Lebenswerks geht. Die 2835 Quadratmeter grosse Lagune wird zur Hochsicherheitszone: «Wir haben die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt», bestätigt Gasser: «Dazu gehören Kameras und Bewegungsmelder an fast jeder Ecke.» Sobald jemand den Delfinen zu nahe komme, erhalte er «aufs Handy sofort eine Meldung».

Die Sicherheitsmassnahmen haben ihren Preis: «Wir haben bisher über 200 000 Franken in die Sicherheit investiert», sagt Gasser. Die elektronischen Überwachungsmittel sind seit zwei Wochen im Einsatz, einen Alarm gab es bisher nicht. Dafür ist eine neue Welle an Reaktionen über die Connyland-Leitung hereingebrochen. Hintergrund ist das im Urin der Delfine Shadow und Chelmers gefundene Opiat Buprenorphin. Für Gasser ein weiteres Indiz einer Vergiftung, doch die Rückmeldungen aus der Bevölkerung sind geteilt: «Es gibt viele böse Briefe und E-Mails, aber auch genau so viel Unterstützung nach dem Motto: ‹Haltet durch!›». Gasser räumt ein, dass auch Todesdrohungen dabei sind, gibt sich jedoch gelassen: «Wenn ich das Gespräch mit den Leuten suche, verstehen sie unsere Argumentation.» Er werde dies bald mit neuen Gutachten beweisen können.

Eine Expertise ist bereits in Lipperswil eingetroffen. Sie kommt von Christopher Dold, Chef-Tierarzt des berühmtesten Meeres-Themenparks der Welt: dem Sea World in den USA. Über 100 Delfine betreut Dold in den Sea-World-Delfinarien. Auch der Amerikaner verabreicht seinen Meeressäugern – genau wie das Connyland – das Antibiotikum Metronidazol. Er und seine Mitarbeiter hätten bei den Tieren nie Nebenwirkungen beobachtet, heisst es in einer Stellungnahme, die dem «Sonntag» vorliegt.

Zu einem anderen Schluss kam die Thurgauer Staatsanwaltschaft. Diese teilte im Januar mit, die Connyland-Delfine hätten durch das Antibiotikum eine Schädigung des Gehirns erlitten und seien daran verendet. Eine Vergiftung durch Dritte schlossen sie aus.

Für Connyland - Geschäftsführer Erich Brandenberger gibt es im Untersuchungsbericht aber einen «gravierenden Widerspruch»: Die Delfine seien laut offiziellen Gutachten an einer Gehirnläsion im zentralen Nervensystem gestorben. Das heisst: an einer Veränderung des Gewebes im Gehirn. Nebenwirkungen des Antibiotikums können laut Brandenberger aber nur im peripheren Nervensystem auftreten. Er vermutet weiterhin das im Urin gefundene Opiat als Todesursache. «Die Substanz muss gezielt von einer Drittperson in den Futterfisch gemischt worden sein», sagt Brandenberger.

Die behandelnden Tierärzte stellt Roby Gasser nicht infrage. «Sie geniessen nach wie vor unser hundertprozentiges Vertrauen.» Die Staatsanwaltschaft leitete nach dem Tod der Delfine eine Untersuchung gegen zwei der Connyland-Tierärzte ein.

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