VON SILVIA SCHAUB

«Das ist meine Höhle», begrüsst Christina Surer die Gäste und macht eine ausladende Handbewegung in Richtung Wohnzimmer. Doch etwas irritiert das kritische Auge. «Ja, optisch ist das Laufband in der Stube nicht wirklich toll», meint die Autorennfahrerin mit einem Schmunzeln.

Vorher habe es im Keller gestanden, wo sie es kaum je benutzte. Und so ist das Wohnzimmer jetzt auch ein Fitnesszimmer – mit zusätzlicher Wii-Konsole vor dem Fernseher. Schliesslich muss sich die Sportlerin fit halten. Sofern sie denn überhaupt zu Hause ist. Denn die 4½-Zimmer-Wohnung in einem Basler Vorort sieht sie nicht allzu häufig. «Drei Viertel der Zeit bin ich unterwegs.»

Die Autorennfahrerin serviert Kaffee und Wasser an der kleinen Bar zwischen der hellen Küche und dem Wohnzimmer. Dazwischen mischt sie sich schnell ein Müesli, weil sie noch gar nicht zum Mittagessen gekommen ist. Das ist jedoch nicht die Standard-Nahrung der Baslerin. Früher liebte sie vor allem Pasta, heute dürfe es auch mal eine Lammschulter oder ein Thai-Gericht sein. «Hautsache, die Zutaten sind frisch und von guter Qualität.»

Weil sie so wenig hier ist, ist der schlanken Beauty mit den blonden Locken umso wichtiger, dass die eigenen vier Wände gemütlich eingerichtet sind. «Und sauber muss es sein», betont sie. «Wenn ich heimkomme, will ich Ordnung vorfinden, und wenn ich wegfahre, muss alles sauber sein.» Da sei sie schon ein bisschen pingelig.

Seit sechs Jahren wohnt sie in der Parterre-Eigentumswohnung mit kleinem Garten und drei Sitzplätzen. Anfangs hatte sie die Wohnung noch mit ihrem Vater geteilt. «Da er viel unterwegs war und ich auch, dachten wir, dass wir uns so ein bisschen häufiger sehen.» Inzwischen wohnt ihr Vater fest in Spanien, und vor eineinhalb Jahren ist ihre grosse Liebe, der deutsche Autorennfahrer Martin Tomczyk, eingezogen. Und da ist auch noch Jack-Russell-Hund Rooky. «Mein Bodyguard», meint sie lachend, was er freudig schwänzelnd quittiert.

Die Ausstattung der Wohnung ist ganz das Werk der ehemaligen Miss-Schweiz-Finalistin. «Mein Vater ist nämlich farbenblind.» Christina Surers Vorlieben lassen sich nicht verleugnen. Da lebt ein Mensch mit einem Hang zur Wohlfühl-Exotik. Im grossen Wintergarten steht ein schwarzer Tisch mit Leopardenkissen, daneben eine Ganesh-Figur aus Indien, auf einem Sockel ein Modell des Taj Mahals aus Lego («den hat mir mein Schatz gebaut»).

Im Wohnzimmer liegt ein Zebra-Fell und auf dem weissen Sofa eine Decke aus Kunstfell, wo sie sich gerne mit einem Buch («am liebsten Biografien») hinkuschelt. «Das Sofa ist mein Lieblingsort.» Einen Hauch von Romantik bringen exotische Lampen und Kerzenschalen in den Raum. Als modern, gemütlich, mit vielen Erinnerungen an Reisen – so bezeichnet sie ihre Einrichtung.

Dass in dieser Wohnung Rennfahrer zu Hause sind, lässt sich ebenso wenig verleugnen. An den Wänden hängen verschiedene Bilder mit Autorenn-Sujets. Im Bücher-Regal sind Christinas Autohelme schön aufgereiht. Sie nimmt den obersten heraus und erzählt stolz, dass sie mit dem Helm von Heinz-Harald Frentzen den Red-Bull-Cup gewonnen habe.

Der nächste ist von Pedro Diniz vom Sauber-Team, und da ist noch einer von Johnny Herbert. «Dieser hier war mein allererster Helm», sagt die 36-Jährige und streckt den kleinen, niedlichen Helm hin, den sie mit drei Jahren bereits hatte, um mit ihrem Papi auf dem Motocross-Töff mitzufahren.

Wie lange will sie noch den Nervenkitzel auf der Rennbahn spüren? «Ich fahre so lange, bis ich einen guten Grund habe, aufzuhören», meint sie vielsagend. Zum Beispiel Nachwuchs? «Das wäre sicher ein Grund.» Offensichtlich ist das Thema noch nicht ganz so weit – wie auch ihre Hochzeit mit Freund Martin Tomczyk. Die nächsten Rennen stehen jedenfalls bereits vor der Tür. Und da heisst es erst mal trainieren, trainieren, trainieren.

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