Seit 1986 existiert eine Liste, die – nach Kantonen gegliedert – Tausende Gebäude mit gefährlichem Spritzasbest auflistet. Erstellt wurde sie damals vom Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft.

«Der Sonntag» hat in neun Kantonen und beim Bund nachgefragt, wie viele Gebäude seit Bestehen der Liste saniert worden sind. Das Ergebnis ist ernüchternd. Gerade mal fünf Kantone (BL, GR, SO, ZG, ZH) waren in der Lage oder willens, die Frage zu beantworten. Besonders bedenklich: Gesamtschweizerisch ist rund jedes dritte Gebäude, das Spritzasbest enthält, noch nicht saniert – obwohl man 26 Jahre Zeit dafür hatte. «Das deckt sich mit unseren Erfahrungen», sagt der Asbest-Experte Walter Hiltpold, der in einer Beratungsfirma tätig ist und jahrelang die Asbest-Liste im Kanton Baselland betreute.

Zudem stellt sich heraus: Trotz bestehender kantonaler Anlaufstellen sind bei Fragen rund um Asbest immer mehrere Ämter involviert. «Für Spritzasbest in Liegenschaften sind nicht wir, sondern die Gebäudeverwaltung zuständig», heisst es häufig. Einen Gesamtüberblick über den Sanierungsstand haben die wenigsten Kantone. Gesamtschweizerisch fehlt er völlig. Die Antworten fallen entsprechend ausweichend und dürftig aus.

Es herrscht ein eigentliches Listen-Chaos. Da wäre einmal die seit 1986 bestehende Spitzasbest-Auflistung. Dann führt der Bund seit 2006 einen eigenen Asbest-Kataster, der 200 Liegenschaften umfasst. Armasuisse wiederum führt eine eigene Liste über Militärgebäude. Gross-Immobilienbesitzer, wie zum Beispiel die Credit Suisse, besitzen ihre eigene Kataster.

Asbest-Experte Walter Hiltpold bringt den Listen-Wirrwarr auf den Punkt: «Es gibt 26 Kantone und ebenso viele Varianten, wie man mit den Listen umgeht. Dieses uneinheitliche Vorgehen schadet der Sache.» Auch die Geheimniskrämerei in Sachen Asbest ist der Sache nicht förderlich. Beispiel Armasuisse. Dort wird gut Arbeit geleistet bei der Sanierung von Militärgebäuden. Aber da das Kataster militärische Objekte enthält, die der Geheimhaltung unterliegen, darf sie keine Auskunft geben.

Laut Experte Hiltpold seien die Sanierungen aber auch ins Stocken geraten, weil die Kantone den gefährlichen Spritzasbest aus den Augen verloren hätten. Er fordert deshalb ein einheitliches Vorgehen bei der Bewirtschaftung der Listen. Als Vorzeigebeispiel nennt er die Stadt Zürich. Dort hat man zusätzliche Stellen geschaffen und eine weitere Liste mit 600 Gebäuden erstellt, die asbestbelastet sind.

In der Schweiz sind Hunderte Personen bereits an der so genannten Asbestlunge gestorben. Tausende weitere werden daran erkranken und sterben. Deshalb hat dieser giftige Werkstoff, in welcher Form auch immer, keinen Platz mehr in unseren Wohn- und Lebensräumen.

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