VON STEFAN KÜNZLI

Hallo, Baschi, wie gehts?
Gut, aber ich bin ziemlich geschafft.

Weshalb?
Eine solch intensive Zeit hatte ich in meiner bisherigen Karriere noch nie. Und das geht nun schon seit einem ganzen Jahr so. Vor einem Jahr haben ich und mein Gitarrist Philipp Merk mit dem Songschreiben begonnen. Ab Februar war ich drei Monate lang ununterbrochen im Studio. So viele Studios habe ich noch nie gesehen, so viele neue Leute habe ich noch nie kennen gelernt. Berlin, Spanien, Los Angeles, dann wieder in der Schweiz, ich bin in diesem Jahr ziemlich herumgekommen. Seit Herbst pendle ich nun zwischen Berlin und der Schweiz. Doch in diesem Jahr sollten wir noch fertig werden.

Weshalb Spanien und Los Angeles?
In Los Angeles hab ich für zwei Wochen meine Freundin Katy besucht, die dort in eine Musikschule geht, und in Spanien haben wir den Videoclip für meinen ersten hochdeutschen Song «Unsterblich» gedreht.

Und? Haben sich die Strapazen gelohnt?
Ja, auf jeden Fall. Deutschland war mein Traum. Dass ich in dieser Zeit, in der es allen so beschissen geht, diese Chance erhalten habe, ist unglaublich. Das ist die Chance meines Lebens, ich musste sie einfach ergreifen.

Was denken Sie, klappt es in Deutschland?
Hmm . . . das ist immer schwierig zu sagen. Aber mein Label, Universal Deutschland, nimmt die Sache sehr, sehr ernst und unternimmt alles, damit ich Erfolg haben kann. Das «Projekt Baschi» ist Chefsache. Der oberste Chef des Labels persönlich hat sich des Projekts angenommen. Mein Vorteil ist, dass es in Deutschland keinen Sänger in meinem Alter gibt, der hochdeutsch singt und diese Art Musik macht. Musik für das Publikumssegment von 15 bis 35 ist nicht stark besetzt. Und Tokio Hotel haben es nicht geschafft, ein älteres Publikum anzusprechen.

Sie kennt man in Deutschland überhaupt nicht. Wie waren die ersten Reaktionen?
Bis jetzt gibt es erst labelinterne Reaktionen, die waren sehr positiv. Sie glauben wirklich an mich und gehen davon aus, dass ein längerfristiger Erfolg möglich ist.

Bisher gab es noch keinen Schweizer, der in Deutschland mit hochdeutschen Popsongs wirklich Erfolg hatte.
Ja, ich weiss. Und es wird sicher hart. Aber bisher hatte auch noch kein Schweizer Popsänger eine solch hohe Priorität wie ich. Ich gehe davon aus, dass ich für TV-Sendungen wie «TV total» gebucht werde. Wir streben auch TV-Partnerschaften mit Pro7 oder Sat.1 an. «Big Brother Deutschland» hat schon angefragt. Aber wir haben dankend abgelehnt. Ich glaube nicht, dass das «Big Brother»-Publikum mein Zielpublikum ist. Vielversprechender ist schon die Zusammenarbeit mit Til Schweiger. Mein Song «Unsterblich» wird im Abspann seines neuen Films «Zweiohrküken» in der vollen Länge gespielt. Den Vorgängerfilm haben immerhin 5 Millionen Leute gesehen. Das ist für mich eine einmalige Plattform. Wir hoffen schon, dass unser Projekt dadurch an Eigendynamik gewinnt.

Aber wieso ist der Song nicht auf dem Soundtrack-Album?
Das haben viele nicht verstanden. Doch das ist die bewusste Strategie von Universal: Über den Film soll das Publikum erstmals auf den Song aufmerksam werden. Das Label strebt nach dem Release am 1. Januar eine möglichst gute Chartplatzierung an und das geht am besten, wenn der Song geballt und auf einen Schlag mit aller Macht und Kraft lanciert wird. Wäre der Song schon auf dem Soundtrack, dann wäre ein Teil der Verkaufswirkung schon verpufft.

Welche Chartplatzierung erhoffen Sie sich?
Die Top Ten wären hammermässig.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Til Schweiger?
Mein deutscher Produzent hat auch den Soundtrack für «Zweiohrküken» produziert. Er fand «Unsterblich» zwar geeignet, dämpfte aber meine Hoffnungen, weil Til Schweiger noch nie einen hochdeutschen Song für seine Filme wollte. Tatsächlich lehnte Schweiger den Song zunächst ab, wollte ihn aber auf Englisch haben. Das wiederum war nicht in meinem Sinn, weil wir mit dem Song ja meine hochdeutsche Karriere lancieren wollen. Dann war lange Funkstille und ich hatte die Hoffnung eigentlich schon aufgegeben. Doch dann wollte Schweiger den Song trotzdem.

Was hat ihn umgestimmt?
Den Anstoss gab der Manager von Tokio Hotel. Er fand den Song mega und empfahl Til, ihn unbedingt zu nehmen. Darauf hat Schweiger den Song auf einer vierstündigen Autofahrt andauernd gehört und sich bekehren lassen.

Was erwartet uns auf dem hochdeutschen Album?
Vier bestehende Songs wie «Irgendwie wunderbar» oder «Wenn du das Lied ghörsch» habe ich ins Hochdeutsche übersetzt und leicht verändert. Dazu kommen 25 neue Songs auf Hochdeutsch. Wir haben also die Qual der Wahl.

Und wie tönt der hochdeutsche Baschi? Ist «Unsterblich» typisch?
Es ist ein abwechslungsreiches Album. Es hat einige melancholische Songs, aber «Unsterblich» ist die einzige klassische Ballade. Viel Rock, viel Gitarren, natürliche Instrumente: Klavier, echte Streicher. Songs, die für Konzerte geeignet sind.

Ist es Ihr Album oder wurden Sie stark fremdbestimmt?
Als ich vor fünf Jahren meine Karriere startete, konnte ich fast nichts zu den Songs beitragen. Jetzt bin ich bei allen Songs beteiligt. In der Schweiz haben wir erstmals auch zwei Songs selber mit unserer Band produziert. Aber es haben mich auch viele Musiker, tolle Profis, unterstützt. Zum Beispiel ist der aktuelle Songschreiber von Udo Lindenberg einmal ins Studio gekommen und hat beim Komponieren geholfen.

Ist Ihre Mundart-Phase damit abgeschlossen?
Nein, überhaupt nicht. Ich habe meine Schweizer Fans nicht vergessen. Im nächsten Jahr erscheint ein neues Mundart-Album. Am liebsten wäre mir ein Doppel-Release gewesen. Doch das hochdeutsche Projekt hat uns für diesen Plan zu stark absorbiert. Trotzdem haben wir schon 15 neue Mundart-Songs. Herbst ist der späteste Termin zur Veröffentlichung. Die Terminplanung ist aber abhängig vom Erfolg in Deutschland.

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