Herr Stoffel, war es im Rückblick ein Fehler, dass Sie die Sunrise-Orange-Fusion verhindert haben?
Walter Stoffel: Nein. Wir hätten sonst ein Duopol auf Jahre hinweg. Dabei ist der Kampf um Platz 2 ein wesentliches Wettbewerbselement in der Schweiz.

Das müssen Sie erklären.
Der Eigentümerwechsel bei Sunrise, der Eintritt von Cablecom ins Mobilnetz von Sunrise und jetzt der Vorentscheid von France Télécom, Orange zu verkaufen – das alles zeigt, dass es wieder Bewegung gibt im Markt. Nichts von alldem wäre bei einer Fusion geschehen. Der Orange-Entscheid ist nun eine Chance für den Mobilfunkmarkt.

Trotzdem: Die neue fusionierte Firma hätte dank Synergien die Preise senken können.
Die Synergien hätten nicht zu niedrigen Preisen geführt, sondern zu mehr Marge, insbesondere bei der neuen Firma, aber langfristig auch bei der Swisscom. Das hätte letztlich der Konsument bezahlen müssen. Preise sinken nur bei mehr Wettbewerb. Ausserdem wären Synergie-Effekte durchaus möglich gewesen, wenn Sunrise und Orange ihre Netzwerke zusammengelegt hätten. Aber das wollten sie nicht, was ihr gutes Recht ist.

Sie sagen, der Kampf um Platz 2 finde statt. Doch neuste Erhebungen zeigen keinen Preiszerfall.
Die Preise für Mobiltelefonie sinken in ganz Europa, auch in der Schweiz, aber auf einem höheren – zu hohen – Niveau. Eine ähnlich ungünstige Marktsituation gibt es praktisch nur noch in der Slowakei. So verlangen Anbieter im Ausland für Anrufe in andere EU-Länder deutlich tiefere Tarife pro Minute als für Anrufe in die Schweiz und in die Slowakei.

Firmen wie Tele 2, TDC und nun France Télécom sagen der Schweiz Adieu. Da fragt sich, wer überhaupt noch Interesse am Schweizer Markt haben könnte.
Wenn der Preis stimmt, wird sich ein Käufer finden. Der Schweizer Telekommarkt ist ja kein Verlustgeschäft. France Télécom hatte und hat die Möglichkeit, in der Schweiz die Nummer 2 zu werden. Aber dazu müsste sie den Schweizer Konsumenten durch attraktive Angebote überzeugen. Wenn sie findet, dass sie das nicht kann oder will, ist ein Eigentümerwechsel wohl angebracht.

Kurzfristig denkende Finanzinvestoren wären aber kaum an nachhaltigen Investitionen in den Netzausbau interessiert.
In der Regel bezahlt eine langfristig denkende Firma einen besseren Preis. Aber auch eine kurzfristige Überbrückung muss nicht schlecht sein.

Wäre ein in- oder ausländischer Käufer besser?
Es ist nicht an mir, dies zu beurteilen. An sich ist beides möglich. Das wettbewerbsrechtliche Kriterium ist klar: Es darf kein geschlossenes Duopol geben.

Eine Neuauflage Sunrise-Orange hätte also keine Chance.
Das wird die Weko entscheiden müssen. Aber der Zusammenschluss von zwei der drei bestehenden Konkurrenten wird sicher alle Warnlampen aufleuchten lassen.

UPC Cablecom käme eher infrage?
Ich möchte mich nicht zu möglichen neuen Eigentümern äussern. Natürlich gäbe es bei der Cablecom keine Duopol-Alarmlampen.

Was müsste denn passieren, damit der Markt endlich besser funktioniert?
Es müsste nicht nur einen Kampf um Platz 2, sondern auch um Platz 1 möglich sein. Doch solange das Fernmeldegesetz die Swisscom in der Mobiltelefonie bevorteilt, ist dies nicht möglich. Es wäre erfreulich, wenn das neue Parlament diesen Fehler beheben würde.

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