Doris Leuthard (CVP) ist dafür, Johann Schneider-Ammann (FDP) auch. Genauso wie Eveline Widmer-Schlumpf (BDP) und Ueli Maurer (SVP) – und mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit Didier Burkhalter (FDP). Damit ist die zweite Gotthard-Röhre in der Regierung mehrheitsfähig. Am Mittwoch soll der Bundesrat über die Vorlage von Doris Leuthard befinden. Die Verkehrsministerin wird eine zweite Röhre beantragen, wie mehrere Quellen bestätigen. Noch haben die Departemente das Papier aber nicht erhalten.

Im Kanton Tessin hofft man auf Einstimmigkeit. «Es wäre schön, wenn der Bundesrat den Entscheid einstimmig fällt, ohne Abstimmung», sagt Ständerat Filippo Lombardi (CVP). Es gehe «um die Achtung gegenüber der italienischen Schweiz».

Damit zeichnet sich ein Paradigmawechsel ab. Noch im Dezember 2010 hatte sich Rudolf Dieterle, Direktor des Bundesamts für Strassen (Astra), gegen einen zweiten Tunnel positioniert: Für die Sanierung sollte der Tunnel 1000 Tage gesperrt werden, der Verkehr umgeleitet und via Rollende Landstrasse per Bahn durch den Gotthard-Eisenbahntunnel geführt werden. Inzwischen ist Dieterle selbst zu anderen Schlüssen gekommen, wie sein Referat am vorvergangenen Donnerstag vor Parlamentariern deutlich machte. Als Entscheid-Kriterien rückte er die «Verfügbarkeit, Sicherstellung und Erschliessung aller Landesteile» in den Vordergrund, nebst Kriterien wie «Funktionalität, Sicherheit, Verträglichkeit, Wirtschaftlichkeit». Knackpunkt des zweiten Tunnels ist der Alpenschutzartikel. Laut Dieterle muss er «selbstverständlich» eingehalten werden.

Gemäss dem Astra-Direktor hat aber eine zweite Röhre mit zwei Spuren, von denen nur eine befahren werden darf, «keinen relevanten Einfluss auf die Nachfrage». Die Verkehrskapazität werde nicht erhöht: Bis zum Abschluss der Sanierung 2035 habe die zweite Röhre «keinen», danach «keinen relevanten Einfluss».

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