Am Dienstag startete der FC Luzern den Verkauf seiner Saisonkarten für das neue Stadion. Die Fans standen Schlange – auch wegen des Freibiers für alle. Geht es nach dem Bundesrat, wird es solche Szenen nicht mehr geben. In seinem Entwurf für ein neues Alkoholgesetz heisst es, dass «die unentgeltliche Abgabe alkoholischer Getränke an einen unbestimmten Personenkreis» verboten sei. Damit will der Bundesrat «den problematischen Alkoholkonsum vermindern».

Der Wirteverband Gastrosuisse ist entsetzt. «Wirte dürften kein Freibier mehr ausschenken, wenn die Schweizer Nati gegen Brasilien ein Tor schiesst oder wenn ein Schweizer Klub eine Meisterschaft gewinnt», sagt Direktor Bernhard Kuster. Ihm ist schleierhaft, wieso der Bund die Schraube bei Wein und Bier anzieht. «Es gibt sicher Jugendliche, die nicht mit Alkohol umgehen können. Aber mir sind keine Beispiele bekannt, wo Jugendliche sich mit Wein oder Bier ins Koma getrunken haben. Dieses Gesetz verströmt den Geist der Prohibition. Man verteufelt den Alkohol.»

Der zuständige Chefbeamte wehrt sich gegen diesen Vorwurf. «Es geht nicht um ein Verbot um des Verbots willen», sagt Alexandre Schmidt, Direktor der Eidgenössischen Alkoholverwaltung. Er bestätigt aber, dass Freibier an Grossanlässen verboten werden soll. «Wenn jemand wild einlädt zu Freibier, dann wäre das durch das Gesetz unterbunden. Freibier für eine grosse Menschenmenge, zum Beispiel für ein ganzes Festzelt, wäre problematisch.» Zudem soll das Lockvogelangebot neu auf alle alkoholischen Getränke ausdehnt werden. «In jedem Fall nicht mehr möglich wäre also, wenn jemand im Vorfeld wirbt: Gratisbier, sollte die Schweiz gewinnen.»

Eine Gratisrunde im kleinen Rahmen sei hingegen nach wie vor erlaubt, beteuert Schmidt. «Dass ein Wirt seinen Gästen, die er kennt, spontan Freibier ausschenkt, sollte im Rahmen des revidierten Gesetzes weiterhin möglich sein.» Doch in seinem Gesetzesentwurf steht das Gegenteil. Dort heisst es, «der Einzelhandel mit alkoholischen Getränken zu nicht kostendeckenden Preisen ist verboten». Zudem können die Kantone den Einzelhandel weiter beschränken, «sofern das öffentliche Wohl dies erfordert».

Für Gastrosuisse-Direktor Bernhard Kuster ist der Fall klar: «Gratisbier ist sicher nicht kostendeckend – Freibier wäre folglich nicht mehr erlaubt.» Ihm ist kein Land bekannt, das so weit geht. «Dass man die Gratisrunde als einen Akt der Gastfreundschaft verbieten will, ist eine völlige Überregulierung.»

Kritik übt er auch an der Bestimmung, dass die Kantone Ausnahmen vom Grundsatz kostendeckender Preise genehmigen können: «Das öffnet Tür und Tor für eine willkürliche Auslegung.»
Widerstand haben auch der Schweizerische Gewerbeverband sowie die Bundesratsparteien SVP, FDP und CVP angekündigt. So teilte CVP-Präsident Christophe Darbellay dem Bundesrat mit: «Die Idee, den Beizen künftig zu verbieten, bei speziellem Anlass eine Gratisrunde auszuschenken, verhindert keinerlei Alkoholexzesse, sondern trifft im Gegenteil die grosse Mehrheit der Bevölkerung, welche sehr vernünftig mit Alkohol umgeht.» Voraussichtlich vor dem Sommer kommt der Gesetzesentwurf ins Parlament.

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