Seit die Personenfreizügigkeit 2002 in Kraft getreten ist, strömten netto 140000 Deutsche in die Schweiz. Das stärkste Wachstum gab es in den letzten fünf Jahren – allein seit 2005 stieg die Zahl der Deutschen, die in der Schweiz leben, um 110000. Sie heuern nicht nur in der Privatwirtschaft an – die Personenfreizügigkeit schlägt auch auf die Schweizer Staatsbetriebe durch. Das zeigt eine Umfrage des «Sonntags»:

SBB: 2005 stand beim SBB-Personenverkehr noch kein Deutscher im Führerstand – heute sind es 27. Hinzu kommen 100 deutsche Lokführer bei SBB Cargo. Bei den Billettkontrolleuren hat sich die Zahl der Deutschen von 28 auf 113 vervierfacht – gerechnet auf den gesamten Mitarbeiterbestand in diesem Bereich, entspricht das einer Deutschen-Quote von 5,5 Prozent.

Post: Vor fünf Jahren verdienten 237 Deutsche ihr Geld bei der Schweizerischen Post, heute sind es 683 – eine Zunahme um 188 Prozent. Am meisten Deutsche gibt es bei den Briefträgern (248), gefolgt von Post Logistics (124) und Postfinance (108). 44 Deutsche sitzen hinter dem Steuer eines Postautos. Die Deutschen-Quote beträgt bei der Post 1,3 Prozent.

Bundesverwaltung: Selbst bei der Bundesverwaltung, dem Reduit schweizerischer Eigenheiten wie der gelebten Dreisprachigkeit, legen die Deutschen zu. Seit Einführung der Personenfreizügigkeit stieg ihre Zahl von 198 auf 476 – eine Zunahme um 140 Prozent. Nimmt man 2005 zur Grundlage, beträgt der Zuwachs 64 Prozent. 210 Deutsche gehören zum Kader. Deutschenquote bei der Bundesverwaltung: 1,3 Prozent.

Swisscom: Die teilprivatisierte Telecomfirma beschäftigt insgesamt 16064 Mitarbeiter, davon kommen 4,5 Prozent aus Deutschland. Heute arbeiten 750 Deutsche bei der Swisscom – das sind 294 mehr als 2005.

Trotz Zunahme: In der Privatwirtschaft sind die Deutschen stärker vertreten. Laut der kürzlich erschienenen Studie der Personalberatungsfirma Guido Schilling stammen 45 Prozent aller Führungskräfte von Schweizer Unternehmen aus dem Ausland.

«Wir haben nicht so viele ausländische Mitarbeiter, weil viele meinen, man brauche einen Schweizer Pass, um bei der Bundesverwaltung arbeiten zu können», sagt Anand Jagtap, Kommunikations-Chef beim Eidgenössischen Personalamt: «Wir bekommen immer wieder entsprechende Anfragen.» Für einen Job beim Bund müsse man nicht Schweizer sein, so Jagtap – Ausnahme seien die Bundespolizei und gewisse militärische Einrichtungen.

Für Giorgio Bardini von der Gewerkschaft Kommunikation stellt die Zunahme deutscher Arbeiter bei Bundesbetrieben grundsätzlich kein Problem dar. «Es besteht kein Grund zur Besorgnis.»

Die Zunahme bei der Swisscom sei die Folge des Informatikermangels in der Schweiz. Ausländische Arbeitnehmer würden daher einen wichtigen Beitrag leisten. «Aber wir schauen natürlich, dass die arbeitsrechtlichen Grundregeln wie das Mitwirkungsrecht eingehalten und keine Deutschen zum Beispiel für den Ausbau des Glasfasernetzes zu Dumpinglöhnen angestellt werden.»

Auch Giorgio Tutti, Präsident der Gewerkschaft des Verkehrspersonals, sieht in der Zunahme «kein Problem» – solange der GAV auch für deutsche Angestellte eingehalten werde.

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