Seit Jahren rüstet der Bund seine Kommunikationsabteilung auf – mit jährlich mehr Mediensprechern, mehr Medienmitteilungen, mehr Medienkonferenzen. Nun geht man in Bern noch einen Schritt weiter. Das Bundesamt für Energie (BFE) sucht per Ausschreibung einen unabhängigen Journalisten, der sehr gute Kontakte zu Herausgebern von Fachzeitschriften im Energiebereich, Redaktionen, Bloggern und Hochschulen hat.

Ziel ist es, 22 Artikel über die Leistungen des BFE in mehreren Publikationen unterzubringen. Die Krux: Der Autor darf unter seinem Namen publizieren, muss aber – wie es deutlich heisst – «redaktionelle Beiträge mit dem BFE koordinieren» und die Themen «in Absprache mit den BFE-Programmverantwortlichen» auswählen.

Das ist heikel, sagt Peter Studer, ehemaliger Präsident des Presserats. «Für die Glaubwürdigkeit von Journalisten und Redaktionen ist Transparenz eine wesentliche Voraussetzung.» Eine entsprechende Eigenetikettierung müsste auch von den Auftragnehmern des BFE erwartet werden. «Das Publikum weiss dann, dass der Text in einer positiven Grundhaltung gegenüber dem BFE verfasst ist und kritische Aspekte nicht zu erwarten sind», sagt Studer.

Das will das BFE auch tun, wie Sprecher Philipp Schwander bekräftigt. «Wir werden in geeigneter Form kennzeichnen, dass wir hinter einer Publikation stehen», sagt BFE-Sprecher Philipp Schwander. Studer bleibt aber skeptisch: «Weshalb stellt das BFE nicht einfach einen Teilzeitjournalisten an, der den Qualifikationen entspricht und Texte im Namen des BFE anbietet? Soll der Eindruck gefördert werden, es handle sich um unabhängige Wissenschaftsjournalisten?»

Das BFE will einen externen Journalisten, um «einen unabhängigen Blick» auf die Programme zu bieten, sagt Schwander. So solle die Forschung einem breiten Publikum präsentiert werden. Das BFE bezahlt dem Journalisten maximal 110 000 Franken pro Jahr. Sollte er für die Texte von den Zeitungen und Zeitschriften ein Honorar erhalten, muss er 70 Prozent davon dem BFE abgeben. So bezahlen die Zeitungen die vom BFE in Auftrag gegebenen Artikel letztlich selbst.

Die Beiträge können aber auch honorarfrei angeboten werden, was Studer kritisiert. «Das benachteiligt ‹echte› freie Wissenschaftsjournalisten, die natürlich nicht honorarfrei anbieten können.»

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