Seit «Der Sonntag» diese Geschichte enthüllte, blockt die Aargauer Justiz jede Anfrage zur «Büsi-Affäre» kategorisch ab. «Die Untersuchungen sind nach wie vor am Laufen. Es müssen insbesondere noch weitere Einvernahmen gemacht werden. Aus verfahrenstaktischen Gründen kann die Staatsanwaltschaft deshalb keine weiteren Angaben machen», sagt Elisabeth Strebel, Leiterin der Medienstelle.

Dafür redet jetzt einer der betroffenen Polizisten – über seinen Anwalt Markus Leimbacher. Der Anwalt erzählt, was der Polizist für ihn schriftlich festgehalten hat («Der Sonntag» konnte den Bericht einsehen). «Frau Zumsteg hat nach dem Vorfall Ende Juni extra eine Polizeipatrouille bei der Kapo Lenzburg angefordert. Der Beamte musste mit ihr zum Tatort fahren, der in der Nähe von Rupperswil und der Autobahneinfahrt Zürich liegt«, liest Leimbacher aus dem Bericht vor.

Der Ex-SP-Grossrat und Präsident des Verbandes Kantonspolizei Aargau weiter: «Der Polizist musste auf Anweisung der Staatsanwältin die angrenzende Wiese und Böschung nach der Katze absuchen. Danach wurde die Örtlichkeit fotografiert und eine Fotomappe erstellt.» Pech nur: Vor Ort habe man weder das Büsi, noch Blutspuren oder andere Hinweise gefunden. Leimbacher: «Danach liess sich die Staatsanwältin wieder an ihren Arbeitsort in Lenzburg zurück chauffieren».

Im Bericht schildert darauf der Polizist seine Sicht der Dinge, die während der Nachtpatrouille vom 26. auf den 27. Juni passierte. Leimbacher: «Unterwegs im zivilen Dienstfahrzeug sahen sie ein Auto mit eingeschalteten Warnblinkanlagen. Dahinter eine ausgewachsene Katze auf dem Boden». Laut den Polizisten handelte es sich um ein rot-weisses Tigerli. Im gleichen Moment wurden die Polizisten von der Verkehrsleitzentrale über den Vorfall informiert. Die Frau im Auto mit AG-Kennzeichen gab zu Protokoll, dass das vor ihr fahrende Auto die Katze erwischt hat und einfach weitergefahren sei. Angaben über den Fahrer könne sie keine machen. Im Protokoll steht, «dass bei der gut genährten Katze ausser zwei kleinen Blutstropfen im linken Mundwinkel keine äusseren Verletzungen zu sehen waren».

Leimbacher zitiert weiter aus dem Bericht: «Der Polizist zog Handschuhe an, trug die Katze zum Strassenrand und setzte sie auf die Wiese. Dort kontrollierten sie den Rücken und die Beine auf mögliche Verletzungen. Der rot-weisse Tiger sei auf seinem Hinterteil gesessen und habe diese Position problemlos halten können. Zudem habe die Katze die Augen geöffnet gehabt und auch ihre Atmung sei, soweit überprüfbar, normal gewesen.»

Zehn Minuten seien die Polizisten vor Ort geblieben, um den Zustand der Katze zu beobachten. «Diese habe einen stabilen Eindruck gemacht und deshalb haben sie darauf verzichtet, das Büsi zu einem Tierarzt zu bringen», so Leimbacher. Im Schreiben des Polizisten steht dazu nüchtern: «Wäre das Tier massiv verletzt gewesen, wäre es unsererseits zu einem Schusswaffeneinsatz gekommen, um die Katze von ihrem Leiden zu erlösen.»

In Polizeisprache endet der schriftlich festgehaltene Vorfall: «Gestützt auf unsere Lagebeurteilung erachteten wir den Einsatz vor Ort als erledigt und fuhren in unser Einsatzgebiet zurück.»

Anwalt Leimbacher kritisiert das Vorgehen der Staatsanwaltschaft scharf: «Das Verhältnis zwischen Polizei und Staatsanwaltschaft ist schon länger gespannt. Wenn dann noch eine Staatsanwältin aus persönlicher Motivation mit Kanonen auf Spatzen schiesst, wirft das Fragen auf. Ganz zu schweigen, was die Sache den Steuerzahler kostet.»

Wenn Staatsanwältin Zumsteg der nach Angabe von Anwalt Leimbacher bis jetzt unauffindbaren Schmusekatze nicht habhaft wird, steht ihre Untersuchung gegen die Polizisten auf schwachen Beinen. Die Staatsanwaltschaft bestätigt denn auch, dass dies für die Untersuchung von «erheblicher Bedeutung sei». Der bisherige Verfahrensverlauf deutet daraufhin, dass Zumsteg immer noch nach der Katze fahndet.

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