VON SACHA ERCOLANI

Über tausend Künstler sollen sich beim Schweizer Fernsehen für die Show beworben haben, verkündete man beim Sender stolz. «Wir waren überrascht über die Vielseitigkeit der Anmeldungen», sagte SF-Sprecher Martin Reichlin (41) vergangene Woche in einem Interview. Und auf der SF-Webseite kündigte man an: «Bei ‹Die grössten Schweizer Talente› gibt es nicht nur Sänger und Tänzer, sondern auch seltenere Acts.»

Pikante Enthüllungen werfen nun ein völlig neues Licht auf die bei den Talenten angeblich so begehrte Castingshow: «Man hatte enorm Mühe, unterschiedliche und charismatische Künstler zu finden. Nach dem Casting-Aufruf im vergangenen Jahr meldeten sich vor allem Gesangs-Talente. So kontaktierte das Schweizer Fernsehen unüblicherweise Künstler und Agenturen und bettelte um Anmeldungen – bot einigen Teilnehmern sogar Gagen in Form von Spesen an und garantierte ihnen, sie auf keinen Fall vor der Kamera blosszustellen», verrät ein Mitarbeiter des Schweizer Fernsehens. «Um auch etwas verrückte Teilnehmer zu finden, wurden sogar Schauspieler-Agenturen kontaktiert.»

Sind einige Auftritte in der Show also nur inszeniert? Es scheint so: «Ich hätte mich nie selber angemeldet und hatte anfangs grosse Bedenken gegenüber der Show. Denn man sieht ja, wie einige Teilnehmer in Deutschland in den Berichterstattungen lächerlich gemacht werden», so Akrobatin Nina Burri (30). Auf Anfrage des «Sonntags» verrät sie, dass sie von einem SF-Redaktor kontaktiert wurde. Er habe sie dann schliesslich zur Teilnahme überreden können und ihr zugesichert, dass sie auf keinen Fall blöd dargestellt werde – und auch nicht von der Jury hämisch kritisiert werde. Burri: «Es sei wichtig, dass es eine bunte Show gebe, darum wollte man mich unbedingt dabei haben.» Ob und in welcher Form sie für ihren Auftritt bezahlt wird, wollte sie nicht verraten. «Man bat mich, nicht über die Kontaktaufnahme zu reden.»

Und eine TV-Neuentdeckung ist Nina Burri längst nicht, als Model wurde sie auch schon für eine Fotostrecke in der Modebibel «Vogue» abgebildet und mit ihrer Schlangenfrau-Show, für die sie pro Auftritt sonst mehrere Tausend Franken Gage kassiert, ist sie total ausgebucht. Für die schöne Bernerin ist die Teilnahme bei «Die grössten Schweizer Talente» also reine Werbung.

Auch mit der Kandidatin Natalia Macauley (27) setzt das Schweizer Fernsehen seinen Zuschauern eine Altbekannte vor: Mit ihrer lasziven Choreografie in einer durchsichtigen Halbkugel aus Glas, gefüllt mit Wasser, brachte Natalia schon Sylvie van der Vaart (32) in der RTL-Show «Das Supertalent» zum Träumen. «Ich wurde kontaktiert und angefragt, ob Natalia mitmachen würde», bestätigt Natalias Manager Erhard Fisoler. «Als Gegenleistung erhalten wir grosszügige Reise- und Unterkunftspesen.» Er sei von Grundy Light Entertainment kontaktiert worden. Die Firma, an der Ringier beteiligt ist, hat für das SF das Casting organisiert.

Der Zauber vom stillen, unbekannten Talent, welches in der Castingshow über Nacht zum Star wird, ist somit verpufft: Die Juroren Roman Kilchsperger (40), DJ Bobo (42) und Christa Rigozzi (27) bewerten zum Teil Talente, welche sich nie von sich aus gemeldet hätten.

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