VON SACHA ERCOLANI

Hinter den Kulissen der Schweizer Volksmusikszene brodelt es gewaltig – massive Vorwürfe belasten den Erfolg von Yasmine-Mélanie: «Es ist eine Frechheit, dass Yasmine-Mélanies Manager Jürg Thomet in der Vorausscheidungs-Jury des Schweizer Grand Prix vertreten war», ärgert sich Sandra Eichenberger. Sie ist die Lebenspartnerin von Roland Eberhard, dem Kopf der Erfolgsband Calimeros, und Mutter der Nachwuchssängerin Nadine, die am Schweizer Finale zu den Konkurrentinnen von Yasmine-Mélanie gehörte.

«Das ist doch total unfair und verstösst eh noch gegen das Reglement – der Manager eines Künstlers darf gemäss Statuten nicht in der Jury vertreten sein und mitentscheiden, welche Künstler mit welchem Song in die TV-Show des Schweizer Finals dürfen.» Eichenberger sagt, dass derzeit viele in der Szene «die Faust im Sack machen» und sich über solche Machenschaften ärgern. Sogar Yasmine-Mélanies ehemalige Fanclubleiterin Beatrice Brändli wettert: «Das ging einfach nicht mit rechten Dingen zu.»

Die alles entscheidende und für Volksmusik-Künstler so wichtige Fachjury der Schweiz, in der Yasmine-Mélanies Manager sass, wird von der Arbeitsgemeinschaft GP der Volksmusik in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Fernsehen (SF) zusammengestellt. Dass Yasmine-Mélanie von der Jury ins Schweizer Finale gewählt wurde, hat sich für die Künstlerin überaus gelohnt: Denn letzten Samstag erreichte die 20-jährige Spielgruppenleiterin aus Hünenberg den zweiten Rang in der TV-Show und erhielt dadurch ein Ticket für das internationale Grand-Prix-Finale in Wien vom 28. August 2010.

Fabio Hugel (66), Chef der GP-Arbeitsgemeinschaft, gibt auf Anfrage von «Sonntag» zu: «Es stimmt, Jürg Thomet war in dieser kleinen Jury.» Er habe sich aber fair verhalten und nicht allein entscheiden können, wiegelt Hugel ab. Man habe zudem unter Aufsicht eines Juristen getagt. Auch beim Schweizer Fernsehen wehrt man sich gegen die Bschiss-Vorwürfe: «Zur Zeit der Jurysitzung gab es keine uns bekannten, reglementwidrigen Verbindungen zwischen dem Autor des Liedes und dem Management von Yasmine-Melanie», so SF-Sprecher Marco Meroni.

Die schöne Yasmine-Mélanie ist derzeit die Abräumerin in der Schweizer Schlager- und Volksmusikszene – und zieht daher bestimmt auch viel Neid auf sich. In der Sparte «Rampenlicht» der SF-Show «Die grössten Schweizer Hits» erreichte sie im November den zweiten Platz und vor wenigen Wochen holte sie sich den Schlager-Prix-Walo. Das Publikum ruft immer wieder für Yasmine-Mélanie an. «Von den beim Schweizer Grand-Prix-Finale eingesandten 200 Titeln kamen nur 12 ins Finale, da ist es verständlich, dass die restlichen 188 Komponisten traurig sind», kommentiert Manager Jürg Thomet die Vorwürfe. «Es ist schade, dass es in der Branche so viele Neider gibt. Mir ging es immer nur darum, dass die Besten nach Wien können, um endlich den Sieg in die Schweiz holen zu können.»

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!