VON THEODOR ECKERT UND PATRIK MÜLLER

Es geschah am Abend des 7. Oktober 2008, nach 20 Uhr: Ein grosses, umgebautes Bauernhaus in Oberramsern stand im Vollbrand. Die Feuerwehren von Biberist und Limpachtal rückten mit einem Grossaufgebot aus – und konnten den Brand um 21.15 Uhr löschen. Doch das Haus war fast komplett niedergebrannt. Das Feuer löste einen Millionenschaden und weit herum grosse Betroffenheit aus.

Schnell war klar: Das Haus gehörte Jürg Ritz, damals Chef der börsenkotierten Hypothekarbank Lenzburg. Seit Frühjahr 2010 ist er CEO der Baloise Bank SoBa.

Alles deutete auf Brandstiftung hin. Damals war die Rede von einem möglichen Racheakt, da sich Jürg Ritz als Gemeinderat von Oberramsern im Zusammenhang mit der Ortsplanungsrevision allenfalls hätte Feinde geschafft haben können.

Völlig überraschendzeigt sich nun: Ritz selber steht im Fokus der Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft. Sabine Husi, die stellvertretende Oberstaatsanwältin, bestätigt Informationen, die dem «Sonntag» vorliegen: «Das Strafverfahren wegen Brandstiftung richtet sich gegen eine Person. Deren Namen ist Ihnen bereits bekannt.» Nachfragen zu den konkreten Verdachtsmomenten kann Husi «aus Rücksicht auf die laufenden Ermittlungen» im Moment nicht geben.

Familie Ritz weilte zum Zeitpunkt des Brandes in den Ferien – allerdings nicht die ganze Familie: Jürg Ritz selber hielt sich zu diesem Zeitpunkt ganz in der Nähe des Brandherdes auf, nämlich bei Bekannten in Oberramsern.

Das Feuer war im Eingangsbereich zur Heubühne auf der westlichen Seite des Hauses gelegt worden. Von dort sprangen die Flammen auf einen Rasenmäher über, der zu brennen begann und das Dach entzündete. Seit bald zwei Jahren laufen nun die Abklärungen über den genauen Tathergang.

Die lange Verfahrensdauer von bald zwei Jahren erklärt Sabine Husi mit umfangreichen Untersuchungen. «Die polizeilichen Ermittlungen nahmen in einer ersten Phase eine gewisse Zeit in Anspruch. Die Strafanzeige der Polizei traf Ende Februar 2009 bei der Staatsanwaltschaft ein. Anfang März 2009 eröffneten wir eine Strafuntersuchung wegen Brandstiftung.»

Gemäss Husi seien im Rahmen der Strafuntersuchung unter anderem diverse Einvernahmen durchgeführt und umfangreiche Unterlagen eingeholt worden. «Die nachfolgende Auswertung der Unterlagen durch die Polizei nahm rund sechs Monate in Anspruch.»

Es dürfte davon auszugehen sein, dass insbesondere Nachforschungen zu einem möglichen Motiv angestellt wurden, konkret zu den persönlichen finanziellen Verhältnissen des Verdächtigten. Sabine Husi will dies unter Hinweis auf das laufende Verfahren weder bestätigen noch dementieren. Im Moment seien weitere Ermittlungen durch die Staatsanwaltschaft geplant. Wie Husi konkretisiert, fanden am Mittwoch Zeugeneinvernahmen statt. Husi sagt: «Wir hoffen, das Verfahren im Verlaufe dieses Jahres abschliessen zu können.»

Offiziell begrüsst Jürg Ritz die Ermittlungen. Aus seinem Umfeld verlautet jedoch, die Strafverfolgungsbehörden würden unprofessionell vorgehen: «Es wird sich noch zeigen, dass dies ein ‹Fall Staatsanwaltschaft› werden wird.» Alles sei ganz anders, als die Staatsanwaltschaft meine. Die Wahrheit werde auskommen und dann hätten die Behörden ein Problem – und nicht Jürg Ritz.

Verwiesen wird auch auf diverse Pannen, die bei der Staatsanwaltschaft in der Vergangenheit geschahen. So musste sie im April 2010 Fehler beim Verfahren gegen die «Schlafzimmerräuber» eingestehen. Ein Jahr zuvor führte Kritik im Zusammenhang mit dem Raser-Unfall von Schönenwerd sogar zu einem Rücktritt.

Ritz ist Pferdeliebhaber und gilt als integrer und erfolgreicher Finanzspezialist. Von 1998 bis 2007 arbeitete er als Leiter Finanzen und Risk Management bei der Postfinance. Er war Mitglied der Geschäftsleitung. Anfang 2007 wechselte er als Vorsitzender der Geschäftsleitung zur börsenkotierten Hypothekarbank Lenzburg. Wie seine weitere Karriere weitergeht, wird wesentlich davon abhängen, wie das Strafverfahren der Staatsanwaltschaft ausgeht.

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