Die Swisscom plant, die Marke Bluewin definitiv zu versenken. «Im Rahmen eines geplanten Relaunches prüfen wir aktuell eine Umbenennung des Bluewin-Portals», sagt Pressesprecher Carsten Roetz. Bereits 2007 verschwand die Bezeichnung Bluewin bei den DSL-Internetanschlüssen, 2010 wurde auch das Fernsehgeschäft in Swisscom TV umbenannt. Übrig geblieben war die Website.

Bluewin geht zurück auf die Pionierzeit des Internets. 1996 als Gemeinschaftsprojekt der damaligen PTT und der Firma M. A. C. gegründet, war «The Blue Window» der erste Schweizer Internet-Provider, der es erlaubte, sich von überall aus zum Lokaltarif ins Netz einzuwählen. Bei anderen Anbietern gab es damals nur in grossen Ortschaften Zugangspunkte. Bluewin hiess der Provider seit dem Jahr 2000.

Es gibt nur wenig Schweizer Internet-Marken aus dieser Zeit, die bis heute überlebt haben. Wer erinnert sich noch an «Swissonline»? Einst mit dem Vorbild der amerikanischen AOL gegründet, bot die Firma Internet mit Mehrwert an; den Mitgliedern stand ein exklusives Portal zur Verfügung. Gross geworden war Swissonline unter anderem, weil es Kunden von «Videotex» übernehmen konnte, einem verblichenen Internet-Vorläufer der PTT. 1998 ging die Firma in der Cablecom auf.

Der Erfolg von Portalen wie Yahoo und Altavista beflügelte damals auch in der Schweiz die Fantasien. Im Jahr 2000 startete die Post mit «Yellowworld», um die Briefpostkunden im Cyberspace abzuholen. Sunrise lockte mit Gratismailadressen von «Freesurf» die Nutzer, und Orange betrieb auf ihrer Plattform «Orangeworld» nach der Jahrtausendwende eine kleine virtuelle Welt namens «Habbo Hotel». Vieles verschwand nach wenigen Jahren wieder, übrig geblieben ist das Portal «Bluewin», das mit einer Mischung aus Service, News und Spielen monatlich noch immer zwei Millionen Besucher anlockt und damit als das beliebteste Schweizer Portal gilt.

Von vielen Produkten zeugen nur noch die E-Mail-Bezeichnungen der Nutzer. Noch immer kursieren Adressen von Datacomm, obwohl der entsprechende Internet-Provider inzwischen zweimal den Namen geändert hat und nun VTX heisst. Auch Swissonline-Mails sind noch viele im Umlauf, und Sunrise-Sprecher Tobias Kistler nennt gleich elf alte Domains, die nie eingestellt worden sind. Etwa freesurf.ch von Sunrise oder dplanet.ch, die vom Internet-Provider der Sunrise-Vorgängerin Diax stammt.

Für die Telekom-Unternehmen stellt der Betrieb der Mailserver heute mehr Pflicht als Kür dar. Sunrise hat den Unterhalt komplett an Googles Dienst Gmail ausgelastet, Orange hat ihren Mailserver gar Anfang Jahr eingestellt, als sie nicht mehr auf die Infrastruktur von France Telecom zugreifen konnte.

Bei der Swisscom stehe eine Änderung bei den Mailadressen nicht zur Diskussion, sagt Sprecher Roetz. Rund vier Millionen davon gebe es derzeit. Wie viele Kunden dahinter stehen, gibt die Swisscom nicht bekannt. Klar ist nur, es sind zu viele, als dass die Swisscom sie verärgern wollte. Und so werden wir dem blauen Fenster wohl auch dann noch begegnen, wenn die Marke überall sonst verschwunden ist.

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