Nationalrat Christoph Blocher (SVP, ZH) hat einen Vorschlag für die Basler Kantonalbank (BKB), die im Visier des US-Justizdepartements steht: Im Krisenfall könnte die Basellandschaftliche Kantonalbank (BLKB) den inländischen Teil der BKB übernehmen. Die «dreckigen Teile» mit dem US-Geschäft verblieben in einer Restbank, die mit genügend finanziellen Mitteln aus dem Verkauf der Bank ausgestattet wäre. «Wenn diese Restbank dann angeklagt würde, wäre das egal», sagt der frühere SVP-Bundesrat zur «Schweiz am Sonntag». Das Land soll der Stadt zur Hilfe eilen.

Am Basler Fischmarkt macht sich Blocher damit wenig Freunde. Dort haben die Verantwortlichen bei Kanton und Bank die letzten Tage damit verbracht, Wogen zu glätten, die zuletzt hochgegangen waren. Dies, nachdem Finanzdirektorin Eva Herzog (SP) in einem Interview mit der «Basler Zeitung» gesagt hatte, die BKB wäre bei einer Anklage durch die USA «existenziell» bedroht. Die Bank reagierte mit einer PR-Gegenoffensive auf den Bericht und Bankchef Guy Lachappelle gab mehrere Interviews, in denen er betonte, eine Anklage würde die BKB nicht in der Existenz bedrohen.

Gleichzeitig traf sich am Dienstag der Bankrat der BKB zu einer langen Sitzung, um die Lage zu besprechen – und um neue Schritte zu verabschieden. Denn schon tags darauf kündigte die Bank eine weitere Aufräumaktion an, die aufgrund der Diskussionen um die Rettungspläne des Bundes allerdings unterging: Das Investement Banking der BKB wird zurückgestutzt. Die Entwicklung komplexer Finanzinstrumente, sogenannter strukturierter Produkte, soll eingestellt werden. Die Bank reduziert damit weiter den Geschäftsbereich Handel, von dem sie in den vergangenen Jahren stets stolz berichtete, dass er den Unterschied zu anderen, «normalen» Kantonalbanken ausmache. Auch dieses Geschäft wurde offenbar teilweise von Zürich aus betrieben, wie die Bank mitteilt.

Blocher denkt bei seinem Notfallszenario für die BKB an den Fall der Bank Wegelin, die sich vor einem halben Jahr über eine ähnliche Aktion gerettet – oder geopfert – hatte: Dabei verblieb das USA-Geschäft in der alten Bank, die nach Bezahlung einer Busse liquidiert wurde. Das gesunde Geschäft übernahm die Raiffeisen-Gruppe und formte daraus ihre Notenstein Privatbank – ein Modell, das offenkundig funktioniert.

Doch nicht die Aktion «Wegelin» wäre das naheliegende Szenario für eine BKB-Zerschlagung, sondern eher der Fall «Swissair»: Eine Tochterfirma könnte die gesunden Teile der Muttergesellschaft schlucken, wie damals die Crossair, aus der die heutige Fluggesellschaft Swiss geformt wurde. Mit der Bank Coop hat die BKB nämlich ihre eigene Crossair. Diese gilt aufgrund ihrer Minderheitsaktionäre als halbwegs unabhängig, obwohl sie von der Hauptaktionärin BKB kontrolliert wird und eng in den Konzern der Basler Kantonalbank integriert ist. Da sich BKB und Bank Coop die technische Infrastruktur teilen, wäre es ein Leichtes, Kunden von der einen Bank an die andere zu übertragen.

Die Basler Kantonalbank will solche Szenarien nicht kommentieren und gibt den Stab weiter an den Kanton. Dieser verweist auf das Gesetz, das dem eidgenössischen Parlament vorliegt und die Banken ermächtigen soll, sensible Bankdaten an die USA auszuliefern. Nach der Verabschiedung des Gesetzes komme es wohl rasch zu einer Einigung mit den US-Behörden und das Denken in Szenarien erübrige sich, sagt Kaspar Sutter, Generalsekretär des Finanzdepartements.

Selbstverständlich habe die BKB «für alle Fälle» eine Planung vorbereitet, sagt Sutter. «Die Aufteilung der Bank ist aber unter keinem Titel Gegenstand dieser Planung.» Eine Kooperation mit dem Baselbiet scheint noch unwahrscheinlicher: Über eine Zusammenarbeit im Krisenfall habe es bisher keine Gespräche mit den Basler Kollegen gegeben, sagt Michael Bammater, Generalsekretär der Baselbieter Finanz- und Kirchendirektion. Liestal scheint sich bezüglich seiner Kantonalbank sehr sicher zu sein. Auf die Frage, ob die BLKB voraussichtlich ebenfalls eine Busse gegenüber den USA bezahlen müsse, sagt Bammatter: «Nein, dazu gibt es keinerlei Indizien.»
In Basel behauptet das in Bezug auf die BKB inzwischen niemand mehr.

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