Der von der SVP angekündigte «Sturm aufs Stöckli» hat Folgen: Weniger auf die Sitzverteilung als auf die Mittel, welche die Kandidaten für ihre Wahl respektive Wiederwahl einsetzen müssen, um mit der finanzstarken SVP mitzuhalten. Bei den letzten nationalen Wahlen 2007 standen der Grünen-Nationalrätin Franziska Teuscher rund 70000 Franken zur Verfügung, um einen der beiden Berner Sitze in der kleinen Kammer zu erobern. Diesmal steigt für die Grünen Alec von Graffenried ins Rennen – und zwar mit 120000 Franken. Das entspricht einer Budgetaufstockung um über 50 Prozent.

Seine Konkurrenten Hans Stöckli (SP) und Werner Luginbühl (BDP) wollen je 150000 Franken investieren, Adrian Amstutz (SVP) verfügt über ein Budget von 190000 Franken, wie er gegenüber der «Berner Zeitung» festhielt. Mit 63000 Franken deutlich weniger Mittel hat der FDP-Kandidat Christian Wasserfallen.

Von Graffenried, Stöckli, Luginbühl und Amstutz können sich Hoffnungen machen, gewählt zu werden. Das ist wohl auch der Grund für den grosszügigen Einsatz, der sich aus Spenden, Parteibeiträgen und eigenem Geld zusammensetzt. Allerdings reicht das nicht für eine Wahl zum Ständerat: Die vier Kandidaten müssen alle mit einem zweiten Wahlgang rechnen – und werden dafür erneut eine grosse Summe ausgeben müssen. «Ich habe Reserven für den zweiten Wahlgang», sagt Stöckli.

Rekordverdächtige Summen gibts auch aus dem Aargau zu vermelden:
SP-Nationalrätin Pascale Bruderer hat für ihren Ständeratswahlkampf 170000 Franken zur Verfügung. Ihre Kontrahenten, FDP-Ständerätin Christine Egerszegi und SVP-Nationalrat Ulrich Giezendanner, geben auf Anfrage ein Budget von 100000 respektive 85000 Franken an. Wobei Giezendanner zusätzlich von einer im Aargau laufenden Sunrise-Kampagne profitiert, bei der die Telekomfirma mit dem Unternehmer Giezendanner um Geschäftskunden wirbt.

Im Baselbiet rechnet der amtierende Ständerat Claude Janiak (SP) mit Ausgaben von 125000 Franken. Sein Kontrahent, SVP-Nationalrat Caspar Baader, hält sich bedeckt: «Ich bin Anwalt, ich rede nicht über Geld.»

Am teuersten ist der Ständeratswahlkampf im Kanton Zürich. Klar am meisten Geld investiert SVP-Ständeratskandidat Christoph Blocher. Die Konkurrenz schätzt sein Budget auf etwa eine Million Franken. Fast täglich schaltet Blocher in NZZ und «Tages-Anzeiger» ein halbseitiges Inserat, flankiert von einer flächendeckenden Plakatkampagne im ganzen Kanton. Blocher selbst will keine Zahlen nennen, wie sein Sprecher Livio Zanolari festhält. Ebenso wenig wie CVP-Ständeratskandidat Urs Hany.

GLP-Ständerätin Verena Diener dagegen legt ihr Budget offen: Sie rechnet mit Ausgaben von rund 150000 Franken für den ersten Wahlgang. SP-Kantonsrat Thomas Hardegger, der ebenfalls für den Ständerat kandidiert, geht von 120000 bis 150000 Franken aus, wobei die Partei dafür aufkommt. Er selbst steuert «ein paar tausend Franken» bei.

Die erwähnten Zahlen basieren auf Selbstdeklarationen – und werden deshalb immer wieder angezweifelt. Besonders misstrauisch bewerten Konkurrenten die Angaben von SVP-Kandidaten. Sie verweisen auf die flächendeckenden Plakat- und Inseratekampagnen, welche die SVP-Kandidaten kaum mit ihren angegebenen Mitteln bezahlen könnten. Zudem ist ihnen die SVP grundsätzlich suspekt, weil sie sich weigert, Angaben über das Wahlkampfbudget zu machen.

Wie gross der Mitteleinsatz der SVP ungefähr ist, zeigt eine Auswertung des Marktforschungsinstituts Media Focus: Allein im August hat die SVP laut dem Institut rund 2,7 Millionen Franken für Werbung ausgegeben. Bei der FDP sind es rund 4-mal, bei der CVP 5-mal und bei der SP über 25-mal weniger.

Beantworten Sie dazu die Sonntagsfrage.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!