Die dem «Sonntag» vorliegenden Informationen stammen aus drei zuverlässigen Quellen. Demnach hat Erwin Beyeler seine Vorstellungen zum Abgang als höchster Ankläger des Landes bei der Aufsichtsbehörde über die Bundesanwaltschaft deponiert. Im Rahmen einer Ad-hoc-Sitzung teilte Beyeler den Aufsichtsmitgliedern seine bisher öffentlich nicht bekannten Erwartungen mit: Eine Abgangsentschädigung in der Höhe von maximal einem Jahreslohn. Dieser beträgt 286 000 Franken. Eine Weiterbeschäftigung im Mandatsverhältnis in der Bundesverwaltung, um mit 60 frühzeitig in Pension zu gehen.

Der 59-jährige Beyeler ist nach seiner Nicht-Wiederwahl von Mitte Juni noch bis Ende Jahr im Amt. Nach der anfänglichen Konsternation über die fünf fehlenden Stimmen will er sich nun einen goldenen Fallschirm sichern. Wie aus seinem Umfeld verlautet, ist er fest entschlossen, den parlamentarischen Akt personalrechtlich als «unbegründet» hinzustellen. Nur dann sieht das Bundespersonalgesetz auch die Möglichkeit für eine Abgangsentschädigung vor – jedoch nicht in der neuen Verordnung, die seit Anfang Jahr gilt. Unklar ist, ob Beyelers Arbeitsverhältnis unter die alte oder die neue Verordnung fällt.

Recherchen zeigen, dass sich die Aufsichtsbehörde in einer ersten Stellungnahme ablehnend zu Beyelers Vorstellungen äusserte. Doch der Bundesanwalt stellte umgehend ein Wiedererwägungsgesuch. Solange die Frage nach einer Abgangsentschädigung rechtlich nicht geklärt ist, will die Aufsichtsbehörde keinen verbindlichen Beschluss fassen. Deren Vorsitzender, Bundesgerichtspräsident Hansjörg Seiler, ist in den Ferien und für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Realistischer als eine Abgangsentschädigung dürfte eine Weiterbeschäftigung im Mandatsverhältnis sein. Zu einer ähnlichen Lösung war es im Fall von Urs von Daeniken gekommen. Der ehemalige Chef des Inlandnachrichtendienstes stolperte über die Fichenaffäre. Danach hatte er die Projektleitung für die Reorganisation der Bundesanwaltschaft übernommen. Doch auch dieses Mandat musste von Daeniken abgeben, nachdem er von der Geschäftsprüfungskommission kritisiert worden war. Von Daeniken hatte seinen Mandatsjob pikanterweise Erwin Beyeler zu verdanken. Nun ereilte Beyeler ein ähnliches Schicksal wie den Ex-Geheimdienstchef.

Über seine Bemühungen, sich den Abgang vergolden zu lassen, mag Beyeler nicht reden. Laut Sprecherin Jeannette Balmer führt er «gegenwärtig keine Gespräche mit Medienschaffenden und es werden auch keine weitergehenden Stellungnahmen zu seiner Person abgegeben».

Noch bis zum 29. Juli läuft die Bewerbungsfrist für Beyelers Nachfolge. Der Leiter der Finanzmarktaufsicht in Liechtenstein, Michael Lauber, bringt sich definitiv in Position. «Ich kann Ihnen bestätigen, dass Herr Lauber sein Dossier einreicht. Es sollte in den nächsten Tagen bei der Gerichtskommission eintreffen», teilt seine Kommunikationsverantwortliche Jana Riedmüller dem «Sonntag» mit.

Lauber baute die Meldestelle für Geldwäscherei im Ländle auf und war zuvor Chef der Zentralstelle für Organisierte Kriminalität beim Bundesamt für Polizei. Als Nachteil des 46-jährigen Berners gilt seine mangelnde Erfahrung bei der Anklageerhebung.

Zu einer Kandidatur entschlossen hat sich auch Beyelers zweite Stellvertreterin Maria-Antonella Bino, wie sie bestätigt. Sie müsse jedoch davon überzeugt sein, «dass der notwendige Kurswechsel akzeptiert werden kann», sagt die 45-jährige Genferin auf Anfrage. Taktisch geschickt spricht Bino dabei eine höhere Effizienz der Bundesanwaltschaft an, die unter Beyeler stark angezweifelt wurde.

Der andere Stellvertreter Ruedi Montanari dürfte sich mit seinem schlechten Auftritt in der «Arena» im Nachgang zur Nicht-Wiederwahl selber aus dem Rennen genommen haben. Auf eine Bewerbung verzichtet Barbara Ludwig, Leiterin der Dienststelle Militär, Zivilschutz und Justizvollzug des Kantons Luzern. Der neue Bundesanwalt soll in der Herbstsession gewählt werden.

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