Unmut bei den Mitarbeitern in der Informationsabteilung des Schweizer Fernsehens SRF: Die TV-Chefs versprechen dem Publikum mehr Hintergründe und Recherchen in «Tagesschau», «10vor10» und «Schweiz Aktuell» – und drücken gleichzeitig Sparübungen durch, die auch den Abbau von Personal zur Folge haben.

Hintergrund der Sparmassnahmen ist das sogenannte «Projekt 55». Damit wollen die TV-Chefs intern 55 Millionen Franken umlagern, um das Programmangebot auszubauen. Jetzt zeigen «Sonntag»-Recherchen: Das Sparprojekt kostet auch Personal bei den Info-Flaggschiffen.

Insgesamt 32 Millionen Franken Umlagerungspotenzial haben die TV-Verantwortlichen bislang identifiziert. Davon sind 14,5 Millionen Franken bereits in neue Projekte geflossen – unter anderem in die erste Staffel der TV-Serie «Der Bestatter». Abgezwackt werden dafür auch Mittel in den Redaktionen der SRF-Informationssendungen. «Tagesschau», «10vor10» und «Schweiz Aktuell» müssen bis Ende 2013 je eine Redaktionsstelle abbauen. Insgesamt sollen in der Informationsabteilung 5 von 338 Vollzeitstellen wegfallen und rund 500 000 Franken eingespart werden. Mit weiteren Massnahmen – zum Beispiel der Produktion der «Tagesschau Nacht» ohne Regie – werden der Informationsabteilung 2013 zwischen einer und zwei Millionen Franken entzogen. Genaue Zahlen will die SRF-Medienstelle auf Nachfrage wie immer nicht bekannt geben.

«Wir müssen das Geld für aufwendige Produktionen irgendwo hernehmen», bestätigt TV-Chefredaktor Diego Yanez den Abbau, betont jedoch: «Im Vergleich zu den Sparmassnahmen in der Printbranche ist die Umlagerung harmlos.» Anders sehen dies Mitarbeiter in der SRF-Informationsabteilung. Von einem «Tabubruch» ist die Rede: «Ein öffentlich-rechtlicher Sender, der zugunsten der Unterhaltung in der Information spart, sendet bedenkliche Signale aus», sagen Mitarbeiter. Zumal dem Publikum gleichzeitig mehr Hintergründe und Recherchen versprochen würden. Fragwürdig sei dies auch deshalb, weil die Qualität der Informationssendungen zunehmend in die Kritik gerate – zuletzt von SP-Ständerätin Anita Fetz, die kritisiert: «Das gut gebildete, politisch interessierte Publikum wird von SRF zu wenig berücksichtigt» («Der Sonntag», 13. 1. 2013).

TV-Chefredaktor Diego Yanez verteidigt die laufende Sparübung trotzdem: «Man muss eine Gesamtsicht haben und kein Kästchendenken. Derzeit werden Mittel aus der Information in andere Abteilungen umgelagert. Irgendwann wird es wieder andersrum sein.» Der Stellenabbau widerspreche zudem keineswegs dem Ziel, mehr Recherchen zu bieten, betont Yanez – und legt erstmals offen, wie die SRF-Informationsabteilung tatsächlich spart: mit Aussenschaltungen, im TV-Jargon Duplex genannt. «Wir haben die Duplex-Zahl stark erhöht. Jeder Duplex in Newssendungen ersetzt plus/minus einen Beitrag. Damit gewinnen wir Ressourcen für Recherchen.»

Die TV-Mitarbeiter befürchten allerdings einen schleichenden Qualitätsabbau – auch wegen der Aufforderung der Chefredaktion an die Korrespondenten, Beiträge künftig vermehrt als VJs und damit ohne Kamera-Crew zu realisieren. «Diese Sparmassnahme hat nichts mit dem Projekt 55 zu tun. In den Regionen greifen wir auf private TV-Crews zurück, die sehr teuer sind. Wenn es nur um das Einholen eines Quotes geht, ist es vertretbar, dass Korrespondenten die Aufnahmen selber machen», so Diego Yanez. «Qualitätseinbussen stellten wir deswegen bisher nicht fest.»

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!