Der faire Benzinpreis liege bei 10 bis 12 Franken pro Liter. Davon ist Toni Gunzinger, renommierter Elektroingenieur und Professor an der ETH Zürich, fest überzeugt. Damit überbietet Gunzinger sogar die geplante Ökosteuer von Evelin Widmer-Schlumpf. Die Finanzministerin sorgte diese Woche für Wirbel, weil sie eine Abgabe auf Benzin, Öl, Gas und Strom vorschlug. Damit würde der Liter Benzin bis 2050 auf 5 Franken steigen.

Für Gunzinger wäre dies aber viel zu wenig. Positive Reaktionen hat der Professor für sein Modell bereist erhalten. Kürzlich präsentierte er der FDP-Sektion Zürich seine Vision. Danach stimmte zu seiner eigenen Überraschung ein Drittel der Anwesenden einer Preiserhöhung auf 12 Franken pro Liter zu.

«Der Ölpreis bestimmt alles», sagt Gunzinger. Bis 2050 würde das Benzin ohnehin knapp 4 Franken pro Liter kosten – auch ohne Ökosteuer. «Das ist noch die unterste Grenze, denn die Ressourcen werden knapp.» Schon heute bezahle die Schweiz für den Import von nicht erneuerbarer Energie jährlich 15 Milliarden Franken ins Ausland. Davon profitiere die Schweizer Wirtschaft kaum. «Wir müssen jetzt handeln, um nicht mehr von den Öl-Staaten abhängig zu sein.»

Sein sogenannter Plan B bietet diese Alternative, ein – wie er es nennt – «energiepolitisches Paradies». Güter wie Wasser, Luft oder Ruhe gehören darin allen. Für sie soll ein fairer Preis ausgehandelt werden. Wer zu viel von den Ressourcen nutzt, zahlt. Wer sie schont, profitiert.

Den Benzinpreis von rund 12 Franken errechnet Gunzinger aus dem heutigen Benzinpreis pro Liter sowie Investitionen und Unterhalt für Strassen. Auch allfällige Unfallkosten und Abgeltungen wegen des verursachten Lärms, der Staus und des CO2-Ausstosses sind enthalten. So kommt Gunzinger auf einen Preis von 11.62 Franken pro Liter, der über die nächsten 15 Jahre schrittweise eingeführt werden soll. Die 120 Kilometer lange Fahrt von Zürich nach Bern würde dann bei einem durchschnittlichen Verbrauch von 7 Litern rund 100 Franken kosten.

Das hat laut Gunzinger vor allem positive Folgen. Auf unnötige Fahrten würde verzichtet. So gäbe es viel weniger Staus, und neue Elektrofahrzeuge würden gefördert. «Als Ingenieur schmerzt es mich fast physisch, dass ein Offroader heute 99,5 Prozent der Energie verschwendet, um sein eigenes Gewicht vorantreiben zu können», sagt Gunzinger. Gegenüber dem Magazin «Management» ergänzt er: «Künftige Generationen werden sagen: Im Vergleich zu euch war Sonnenkönig Louis XIV. ein Sparschwein.»

Seinen Plan B entwickelte Gunzinger vor einem Jahr. Diesen Monat haben erstmals Computersimulationen sein Modell bestätigt. «Es würde funktionieren.» Der Plan nehme eine Preisentwicklung, die ohnehin von selbst kommen werde, um 20 bis 30 Jahre vorweg. «Also entwickeln wir überlegende Technologien – vor allen Mitbewerbern.» Davon profitiere die Schweiz.

Nationalrat Bastien Girod (Grüne/ZH) gibt Gunzinger recht, allerdings sei die rasche Einführung eines so hohen Benzinpreises kaum sozialverträglich. Girod, der an der ETH doktoriert und forscht, unterstützt die Ökosteuer von Widmer-Schlumpf. So fördere der Markt erneuerbare Energien stärker. Mit BDP, Grüne, GLP und Teile der CVP habe die Ökosteuer vor dem Parlament intakte Chancen.

Gunzinger will künftig auch die Parteien einbinden. Alle sollen ihre wichtigsten Themen – egal ob Mobilität, Energie, oder Sozialleistungen – als Parameter in das Modell einfliessen lassen.

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