Spekulationen jagen sich. Die Basler Zeitung Medien (BZM) werde etwa bereits in den nächsten Tagen einem Konzern zugeschlagen. Doch Verlagsexponenten beklagen sich, es fehle ihnen bei der BZM an entscheidungsbefugten Partnern. Der «Tages-Anzeiger» portierte die Idee einer Holding mit «Basler Zeitung», «Schaffhauser Nachrichten» und «Weltwoche». Doch dem erteilt «Weltwoche»-Chef Roger Köppel auf Anfrage des «Sonntags» eine Absage. Er wolle das Magazin noch lange als Unternehmer führen. Plausibler erscheint ein Alleingang der BZM – nach dem «Weltwoche»-Modell. Demnach könnte der bisherige «BaZ»-Chefredaktor Markus Somm in die Rolle des Herausgebers und Verlegers aufsteigen. Vom «Sonntag» angefragt, ob er sich in dieser Rolle sehe, erklärt er: «Dazu kann ich leider nichts sagen.»

Der aktuelle Verleger Moritz Suter hatte sich vor Jahresfrist Hals über Kopf auf das Wagnis «Basler Zeitung» eingelassen und damit Christoph Blocher einen Gefallen erwiesen. Dieser wäre sonst schon damals als eigentlicher Besitzer der Basler Zeitung Medien (BZM) aufgeflogen. Doch Dankbarkeit ist nicht Blochers Ding. Suter hatte sich Blochers Diktat verweigert, Suter muss gehen.

«Der Sonntag» zeichnete vergangene Woche Moritz Suters Geschichte nach und löste damit weitere Enthüllungen durch den «Tages-Anzeiger» aus. Mittlerweile ist durchgesickert, dass Blocher sich einerseits hinter seiner Tochter Rahel versteckt und andererseits hinter dem Ex-Banker Marcel Ospel, der gegenüber den Banken als Gewährs- und Strohmann aufzutreten hatte. Ospel verweigert gegenüber dem «Sonntag» jede Kontaktaufnahme. Entschieden scheint auch, dass Suter den Machtkampf verloren hat. Es bräuchte schon ein zweites Wunder von Basel, dass Blocher im letzten Moment den Fisch noch von der Angel lassen würde. Suter selbst glaubt nicht mehr daran, kalt wurde er in seiner Verlegerrolle exekutiert.

Kernpunkt im Konflikt zwischen Suter und Blocher war die Strategie, wie die BZM saniert wird: Blocher drängte auf eine Zerschlagung, Suter auf eine integrale Sanierung unter Beibehaltung des Druckbereichs. Nur zögerlich hatte Suter den Druck organisatorisch ausgegliedert und den Zeitungsdruck in eine eigene Firma mit separatem Verwaltungsrat eingebracht. Nun ist die Bahn frei für eine Sanierung, wie sie Blocher bereits unter Wagner durchsetzen wollte.

Im Mäntelchen des Beraters der Robinvest hatte Blocher bereits im Herbst 2010 dem BZM-Management die Aufgabe erteilt, Massnahmen zu skizzieren, die für jede Abteilung ab Januar 2011 ein Renditeziel von 10 Prozent versprechen. An einem Strategieseminar, das aufgrund der damaligen Turbulenzen nicht mehr stattfinden konnte, hätten die entsprechenden Beschlüsse gefasst werden sollen. Das Szenario war für die Beteiligten offensichtlich: Die BZM würde auf Redaktion und Verlag sowie auf das Anzeigengeschäft reduziert. Die Druckereien würden verkauft beziehungsweise liquidiert. Ein massiver Stellenabbau wäre die Folge.

Das Jahr Suter war für Blocher ein verlorenes Jahr bei der BZM, wie er auf «Teleblocher» einräumte. Doch nun fehlt Blocher ein Frontrunner, der es ihm erlauben würde in gleicher Weise im Hintergrund zu bleiben. Mit Wagner, Suter und Ospel haben bereits drei Persönlichkeiten durch Blocher einen massiven Reputationsschaden erlitten; weitere Personen von Format werden sich hüten, in diese Falle zu tappen. Der Einzige, der bereits an Bord ist: Markus Somm.

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