Bald erlaubt: Spermien und Eizellen zehn Jahre einfrieren

Neues Gesetz soll Paaren helfen, die später Kinder wollen.

Mit der Reglung der Präimplantationsdiagnostik, über die National- und Ständerat im Frühjahr beraten, könnte auch eine neue Methode der Fortpflanzung in der Schweiz populär werden: das sogenannte Social Egg Freezing. Dabei werden einer fruchtbaren Frau Eizellen entnommen und für den späteren Eigengebrauch nach der Menopause eingefroren. Bis anhin dürfen Eizellen in der Schweiz nur fünf Jahre gefroren werden.

Doch der neue Gesetzesentwurf bringt es als Nebeneffekt mit sich, dass Keimzellen, also Spermien und Eizellen, bis zu 10 Jahre tiefgefroren aufbewahrt werden dürfen. So würde es etwa für eine Frau, die Ihre Eizellen mit 30 entnommen hat, möglich mit 40 schwanger zu werden. Dadurch wird Social Freezing, das in den USA zu einem Trend für reiche Akademikerinnen und Promis geworden ist, attraktiver.

Nach Ansicht von Reproduktionsmediziner setzt der Ansatz jedoch falsch an. «In jedem Fall wäre es besser, nicht nach der Zeitdauer, sondern nach dem Lebensalter einzufrieren», sagt Bruno Imthurn, Direktor der Klinik für Reproduktionsmedizin des Universitätsspitals Zürich, gegenüber der „Schweiz am Sonntag“ Er schlägt deshalb vor, dass anstelle von fünf Jahren Eizellen bis beispielsweise zum 45. Altersjahr eingefroren werden dürfen.

Trotz der gesetzlichen Einschränkung bieten Privatkliniken Social Freezing schon jetzt an. «Die Nachfrage nimmt zu», sagt Jean-Claude Spira, Leiter des Kinderwunschzentrums in Basel. Letztes Jahr waren es noch zehn Frauen, deren Eizellen er einfror. Dieses Jahr schon vierzig. Falls die Frau die Eizellen länger als fünf Jahre aufbewahren möchte kann sie diese einfach vor dem Ablaufen der Frist ins Ausland transferieren. Der Reproduktionsmediziner Peter Fehr, der in Zürich eine Klinik leitet, rät Frauen, die ganze Behandlung im Ausland durchführen zu lassen. Dafür arbeitet er mit einer Klinik in Spanien zusammen.

Social Freezing bietet sich für Frauen als Alternative zur Eiszellenspende an – bei der mit einer fremden Eizelle befruchtet wird. Die Frau ist dann nicht die genetische Mutter, des Kindes, das sie gebärt. In der Schweiz ist diese Methode verboten – und bleibt das auch weiterhin gemäss des neuen Gesetzesentwurfs zur Präimplantationsdiagnostik. Deshalb schätzen Experten, dass jährlich 500 bis 1000 Frauen aus der Schweiz für eine Eizellenspende ins Ausland reisen.

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