Wer Blut spendet, tut Gutes. Trotzdem droht in der Schweiz immer wieder ein Engpass bei der Blutversorgung. Das soll sich nun mit der Lockerung der Bestimmungen ändern. «Die neue Regelung sieht vor, dass ab 1. Januar 2012 die Altersbegrenzung für Spender auf 75 Jahre angehoben wird. Voraussetzung ist, dass die Person mindestens bereits einmal Blut gespendet hat», sagt Rudolf Schwabe, der Direktor des Blutspendedienstes des Roten Kreuzes (SRK), der nationalen Dachorganisation. Umgerechnet auf ein Jahr seien dies immerhin 30 000 potenzielle Spender. Der Grund für die Neuregelung: «Das biologische Alter hat sich verschoben.»

Der Entschluss, jetzt auch Senioren anzuzapfen, ist auf eine Studie des Zürcher Blutspendedienstes zurückzuführen. «Personen im fortgeschrittenen Alter sind die besten Spender», sagt Beat M. Frey, Direktor des regionalen Blutspendedienstes. So hätte man bei dieser Gruppe wenig positive Befunde zu einer HIV-Infektion zu verzeichnen und sie erweisen sich als robuster. «Es gibt weniger Komplikationen als mit Jüngeren. Sie fallen nicht in Ohnmacht und ihnen wird nicht übel», sagt Frey.

Weil die Ergebnisse derart erfreulich sind, will Frey nächstes Jahr eine neue Untersuchung starten – mit Erst-spendern über 65 Jahren. «Im Rahmen einer neuen Studie wollen wir auch Personen zulassen, die noch nie in ihrem Leben gespendet haben», so Frey. Dazu brauche man jedoch einige hundert Probanden. Die körperliche Verfassung wird mit einem eigens für diese Altersgruppe entworfenen Gesundheitsfragebogen und einem ärztlichen Check überprüft.

Blut spenden darf man maximal alle vier Monate. Die Voruntersuchungen und Restriktionen des Blutspendedienstes sind hoch. Dank dem brachliegenden Potenzial ungenutzter Spender hoffen die Verantwortlichen nun, drohende Engpässe verhindern zu können.

Das ist kein einfaches Unterfangen, denn die Arbeitgeber sehen es nicht gerne, wenn Mitarbeiter während der Arbeit Blut spenden gehen. «Früher waren die Firmen dem Blutspenden gegenüber wohlgesinnt. Heute wollen die Leute im Büro nicht mehr fehlen, aus Angst vor dem Chef», sag SRK-Direktor Rudolf Schwabe.

Ein weiterer Grund sei, dass das Thema Blutspenden in der Gesellschaft nicht mehr genügend präsent sei. Früher habe es zum guten Ton gehört, den Kollegen von der letzten Blutspende zu erzählen. Schwabe sagt: «Die gleichgültige Mehrheit der Leute spendet nicht. Sie denkt nicht daran, oder es fehlt ihr schlicht an Engagement.»

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