Der Vorfall ist voller Widersprüche – auch für die Mutter des Beschuldigten: «Ich bin froh, wenn die Sache geklärt ist.» Sie stehe zu ihrem Sohn, mehr will sie nicht sagen. Nur noch so viel: «Ich kenne meine Kinder.» Was sie damit meint: Ein Vergewaltiger sei ihr Sohn bestimmt nicht.

Das sah die Kantonspolizei Aargau in ihrer ersten Medienmitteilung vom 20. Dezember 2011 anders: «Er übte körperliche und sexuelle Gewalt aus, indem er den Geschlechtsverkehr vollzog und konnte danach unerkannt flüchten.»

Der Täter hatte sein Opfer laut Polizeiangaben schon in der Eventhalle Nordportal bedrängt. Was sich dann nach Türschluss um 4 Uhr in einem Seiteneingang des Lokals ereignet haben soll, hat die Badener Bevölkerung aufgeschreckt. Noch mehr aber, dass der junge Mann bereits nach 48 Stunden wieder auf freiem Fuss war (es stand im «Sonntag»). Ein Phantombild hatte zur Verhaftung an seinem Arbeitsplatz geführt – einer Kinder-Tagesstätte in der Region.

Der für die Aufsicht zuständige Ennetbadener SP-Gemeinderat Beni Pauli-Marti spricht von einer «sehr delikaten Situation». Falls der Vergewaltigungsvorwurf zutreffe, sei eine Weiterbeschäftigung in diesem Umfeld «kaum mehr möglich». Andererseits habe der Vorfall nichts mit dem Arbeitsort zu tun. Entscheidend sei, alle Informationen zusammenzutragen. In den nächsten Tagen soll an einer Sitzung mit den Verantwortlichen ein Entscheid gefällt und «eine klare Haltung» kommuniziert werden, sagt Pauli-Marti. Mit dem 19-Jährigen sei bereits Kontakt aufgenommen worden. Er bestreite, dass es sich um eine Vergewaltigung gehandelt habe.

Merkwürdig: Der Kleinkinderzieher erkannte sich zwar selbst auch auf dem Phantombild, hielt es aber nicht für nötig, sich bei der Polizei zu melden. Er sei schliesslich kein Vergewaltiger, liess er sein Umfeld wissen.

In einem «az»-Porträt hatte der mutmassliche Täter vor einem Jahr über seine Berufswahl zum Kleinkinderzieher gesprochen. «Ich bin mir vollkommen sicher, dass ich das Richtige gewählt habe», sagte er damals. Nach dem Schulabschluss in einem Internat habe er beschlossen, einen Beruf im sozialen Bereich zu erlernen. Das habe in seinem Umfeld für Erstaunen gesorgt: «Ich war früher selbst ein ‹Schlitzohr› – und war das auch gerne!»

Der 19-Jährige wurde unter der Auflage freigelassen, keine Zeugen oder das Opfer zu kontaktieren. Zum Stand der Untersuchung wollte Staatsanwalt Christoph Rüedi lediglich sagen, dass diese noch nicht abgeschlossen sei.

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