VON FLORENCE VUICHARD UND PATRIK MÜLLER

Der Plan klingt verlockend: Die Post soll im Ausland mit neuen Geschäftsideen Geld verdienen und so den Service public in der Schweiz finanzieren. Post-Präsident Claude Béglé hat schon klare Vorstellungen, wie die Post dann aussehen wird: «Die Schweizer Post muss werden wie Nestlé», sagt er, der ehemalige Nestlé-Manager, im Interview. «Sie wird in Zukunft einen grossen Hauptsitz haben in der Schweiz, wird hier Produkte entwickeln, wird hier Steuern auf den Gewinn zahlen, den sie aber zu einem rechten Teil auch im Ausland erwirtschaften wird.»

Béglé sieht darin kein Risiko: «Wir gehen Schritt um Schritt voran.» Und er betont: «Es geht letztlich darum, mit dem im Ausland verdienten Cashflow die Infrastruktur in der Schweiz zu finanzieren.» Auf Gewinne im Ausland hofft Béglé unter anderem mit neuen Produkten für die elektronische Post. «Wir hatten Vorgespräche mit verschiedenen europäischen und nahöstlichen Unternehmen, die grosses Interesse zeigen.» Mehr will Béglé nicht sagen. Unter den Interessenten sind offenbar die indische Post sowie China.

Doch vorerst schreibt die Post-Sparte, mit der Béglé den Einbruch im Briefgeschäft wettmachen will, rote Zahlen: Die Swiss Post Solutions (SPS) weist fürs erste Halbjahr 2010 einen Verlust von 10 Millionen Franken aus. Für Béglé kein Problem: «Dieser noch junge Bereich darf Verluste schreiben, denn er muss zunächst investieren, Personal aufbauen, damit er neue Produkte entwickeln und mittelfristig substanzielle Gewinne machen kann.»

Beim zuständigen Departement von Moritz Leuenberger sieht man Béglés Auslandsplänen mit Sorge entgegen, wie zu hören ist. Schliesslich wäre die Post nicht der erste Staatsbetrieb, der sich bei Auslandsgeschäften massiv verschätzt. So hat die Swisscom für Debitel zu viel bezahlt, die SBB kämpften mit der italienischen Bahn und dem Cisalpino – von der Swissair-Expansion ganz zu schweigen. Offenbar, so ein Insider zum «Sonntag», bereut Leuenberger bereits, dass er sich im Machtkampf um die Post auf Béglés Seite geschlagen hat.

Mehr zum Thema finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!
Photo: Sabine Papilloud