Anfang März haben UBS-Kunden mit Steuerdomizil im Ausland von ihrer Bank dicke Post erhalten. Per 1. April, heisst es da, müssen Auslandkunden mit einem Gesamtvermögen von weniger als 50 000 Franken neu einen Aufpreis von 30 Franken pro Monat bezahlen. Die Betreuung von im Ausland wohnhaften Kunden sei «aufgrund des sich laufend verändernden regulatorischen Umfeldes komplexer geworden», begründet die Bank. Dies verursache bei grenzüberschreitenden Kundenbeziehungen einen erheblichen Mehraufwand.

Mit dieser Ankündigung trat die UBS eine regelrechte Kündigungslawine los. Am Zürcher Paradeplatz treffen noch heute Körbe von Kündigungsschreiben aus aller Welt ein. Unzählige Kunden möchten ihre Konti mit sofortiger Wirkung auflösen. Auch die Faxgeräte und die Mailboxen der Berater für ausländische Privatkunden stehen seit Wochen unter Dauerfeuer.

Wie viele Kontosaldierungen es bisher gab, will die Grossbank nicht verraten. «Die Kündigungen liegen im erwarteten Bereich», sagt UBS-Sprecher Andreas Kern. Dass es sich aber um eine massive Kontosaldierungswelle handelt, zeigt auch der Umstand, dass dem Personal bis heute Überstunden verordnet wurden. Nicht nur die Kundenberater müssen an den Wochenenden und bis spät abends arbeiten, auch UBS-Mitarbeiter, die am Empfang, am Schalter und im Safe tätig sind, und alle Personen der Saldierungsstelle sind seit Wochen daran, die Kündigungen zu verarbeiten.

Die neue Gebühr wurde von der Grossbank etwas hemdsärmelig eingeführt. So wurden die Kundenberater nicht direkt informiert. Nur im Intranet erfuhren sie davon. Zudem ist das System, das die 30 Franken abzieht, erst Ende Juni einsatzbereit. «Der monatliche Aufpreis wird erstmals vierteljährlich per Ende Juni belastet und danach monatlich», bestätigt die UBS. Dies ermögliche Kunden mit Auslandsdomizil «eine angebrachte Reaktionszeit».

Die happige Gebühr von monatlich 30 Franken kann ganz schön ins Geld gehen – etwa für Personen, die früher in der Schweiz gearbeitet haben und jetzt wieder in ihrer Heimat leben und monatlich nur eine kleine AHV auf ihr Konto erhalten. Viele Kunden nerven sich, weil sie der Grossbank in der Finanzkrise die Stange hielten und jetzt auf diese Weise «rausgeekelt» würden. Unzählige erboste Kunden wollten auf der UBS-Hotline ihrem Ärger Luft machen. Die Telefonlinie war nach dem Briefversand einige Tage überlastet. Zeitweise gab es gar kein Durchkommen mehr.

Schikanös sei die Massnahme nicht, beteuert UBS-Sprecher Kern: «Wir verrechnen mit dieser Gebühr die Kosten dort, wo sie entstehen.» Immerhin, die neue Gebühr gilt nicht für Kunden, die monatlich einen Geldzufluss von mindestens 500 Franken haben und in einem Nachbarland der Schweiz wohnen.

Wie üblich schauen sich die Schweizer Banken gegenseitig über die Schultern. Vor allem wenn es um Gebühren geht, zieht man in der Branche gerne gleich. Die CS etwa verlangt von Auslandkunden mit einem Vermögen unter einer Million Franken eine Gebühr von 40 Franken. Dies seit Juli letzten Jahres. Bei der Zürcher Kantonalbank liegt die Grenze bei 100 000 Franken. Die «Basisgebühr International» beträgt bei ihr seit April 60 Franken pro Quartal.

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