YON YVES CARPY UND YVES DEMUTH

Die Löhne von Geschäftsleitungsmitgliedern und Verwaltungsräten der grössten Schweizer Firmen nahmen 2008 laut der Anlagestiftung Ethos um 22 Prozent ab. Doch Ethos-Direktor Dominique Biedermann warnt: «Es besteht die Gefahr, dass sich das Management weniger Bonus, dafür aber höhere Anteile an Aktienbeteiligungsprogrammen gewährt.

Es würde mich nicht erstaunen, wenn wir in Zukunft zu den gleich hohen Löhnen kommen wie in der Vergangenheit oder noch höheren», meint der Investor. Er fordert die Firmenführung auf, «dass auch die Anteile an diesen Incentive-Plänen limitiert werden auf ein bestimmtes Verhältnis zum Fixlohn, nicht nur der Bonus».

So erhielt die UBS-Führung für das desaströse 2008 gar keine variable Vergütung zugeteilt – weder in bar noch in Aktien. Dennoch sollen die Konzernleitungsmitglieder nicht leer ausgehen: Die UBS hat ein neues Beteiligungsprogramm aufgelegt. Aus jeder zugeteilten Aktie macht dieses bei Erreichung gewisser Renditeziele innert dreier Jahre zwei Aktien. «Im Rahmen des Performance-Equity-Plans wurden bisher keine Aktien zugeteilt», sagt UBS-Sprecher Andreas Kern. Wann die Zuteilung erfolgt, will er nicht kommentieren.

Bedeckt hielt sich die Bank auch punkto Willkommensprämie von 8,3 Millionen Franken für ihren neuen CEO Oswald Grübel, die der «Blick» diese Woche bekannt machte. Grübel bezog die Prämie in Form von UBS-Optionen, die seit seinem Einstieg Ende Februar bereits überproportional von der Kurserholung der Bankaktie profitierten.

«Leider stellt die UBS erst nächstes Jahr im Geschäftsbericht 2009 Transparenz über die tatsächlichen Bezüge von Herrn Grübel her», kritisiert Ethos-Direktor Biedermann. «Die UBS sagte uns, dass Herr Grübel zusätzlich zu seinem Fixsalär von 3 Millionen ebenfalls am Bonus-Malus-Programm partizipiert sowie Zugang zum neu aufgelegten Langfrist-Aktienplan hat.»

Auch die Schweizer Börsenaufsicht bemängelt den Geschäftsbericht 2008: Sie hat gegen die UBS AG auch «eine Untersuchung wegen möglicher Verletzung der Corporate-Governance-Richtlinie» eröffnet.

Der Vergütungsexperte Remo Schmid von der Beratungsfirma PricewaterhouseCoopers warnt ebenfalls: «Es besteht die Gefahr eines Basiseffekts. In Krisenzeiten kann eine höhere Zahl von Aktien, Optionen oder anderen Beteiligungspapieren verteilt werden als in der Vergangenheit, da diese insgesamt wegen der abgestürzten Börsenkurse einen geringeren Wert aufweisen. Sie haben aber damit ein überproportionales Erholungspotenzial.»

Dieser Effekt lässt sich bei Novartis-Chef Daniel Vasella beobachten, der heuer für 2008 mehr als zweimal mehr Aktien bezog als im Jahr zuvor. Diese Aktien reinvestiert er zudem sogleich in einen neuen Aktiensparplan namens «Leveraged Share Saving Plan» – und in fünf Jahren erhält er doppelt so viele zurück.

Falls sich der Kurs nicht bewegt, wird so aus einem Aktienbonus von 27 Millionen einer von 48 Millionen Franken – pro rata sind das seit Anfang Jahr schon über 2 Millionen Zusatzbonus.

Im Fall von Vasella kritisiert Ethos bereit seinen Fixlohn als zu hoch. «Er erhält 50 Prozent mehr als die Chefs der anderen grossen Pharmakonzerne», sagt Biedermann. «Auch ist es unlogisch, dass er mehr als dreimal so viel Salär bezieht wie der nächstbestbezahlte Geschäftsleitungskollege.»

Zudem stört sich Biedermann daran, dass die neuen Beteiligungsprogramme nur angekündigt würden. Er fordert, «dass die Unternehmen auch kommunizieren, wie viel ihre Geschäftsleitungsmitglieder am Ende der Laufzeit ausgeschüttet erhalten». Das sei leider noch nicht obligatorisch. Dabei geht es um grosse Summen: Die Ansprüche von CS-CEO Brady Dougan aus dem ersten Plan von 2004 können bis nächstes Jahr auf 100 Millionen Franken klettern.

Wie sich der neuste ISU-Plan (Incentive Share Units) auswirkt, lässt sich kaum abschätzen: Hat er einen Hebel wie seine Vorgängerprogramme der Jahre 2007 und 2008, vervierfacht er den Anfangsbetrag. Dann, wenn der CS-Aktienkurs 2012 im Schnitt der letzten drei Jahre doppelt so hoch liegt wie bei Zuteilung im Januar 2009.

Pro forma lässt sich so bis dato ein Gewinn für die ersten 9 Monate von 100 Prozent errechnen (oder 3 Millionen pro Geschäftsleitungsmitglied der CS). Die Verdopplung des CS-Aktienpreises seit Anfang Jahr bescherte auch CS-Verwaltungsratspräsident Hans-Ulrich Doerig eine gute Million Gewinn auf seinem Aktienpaket für 2008.