Wer beim Zattoo Hauptsitz in Zürich anruft und mit Gründer Beat Knecht (45) sprechen will, der wird seit Neustem direkt mit Bea Knecht verbunden. Auf die Frage, ob denn Beat nicht mehr hier arbeite, kommt von der netten Dame eine prompte Antwort: «Sie sind schon richtig hier, seit April lebe ich als Frau. Ich war Beat und heisse nun Bea», sagt die Internet-TV-Pionierin am Telefon dem «Sonntag» und steht offen und mutig zu ihrem Wandel. In der eigenen Firma – europaweit zählt Zattoo über 10,7 Millionen registrierte Nutzer – wissen längst alle Bescheid, und auf der Website sieht man unter der Rubrik Mitarbeiter, wie Beat jetzt als Bea aussieht. Mitarbeiter, Freunde und auch Geschäftspartner hätten die Veränderung positiv aufgenommen, sagt Knecht. «Das Umfeld reagiert neugierig und überrascht. Und ich habe bisher nur positive Erfahrungen gemacht.»

Einzig im schweizerischen Handelsregister ist noch nicht Bea, sondern noch immer Beat als Verwaltungsrat der Firma Zattoo Europa AG eingetragen. Dass soll sich jedoch auch bald ändern: Die Namensänderung für den Pass, die ID und andere Dokumente sei bereits beantragt – auch eine Geschlechtsänderung werde sie wohl beim Gericht beantragen. «Dies ist aber gar nicht so einfach», sagt Bea Knecht, die schon als Teenager wusste, dass sie als Frau leben möchte. Um über Details ihrer Geschlechtsumwandlung zu reden, sei es noch zu früh. Knecht: «Vielleicht gebe ich dann in einigen Monaten Interviews dazu.»

Erst vor zwei Wochen outete sich auch Hollywood-Regisseur Larry Wachowski (47, «Matrix»): In einem Trailer zu ihrem aktuellen Film «Cloud Atlas» stellt sich die Filmemacherin erstmals als Lana vor. Und die wohl bekannteste Transsexuelle der Schweiz heisst Nadia Brönimann. Sie weiss, wie schwer der Wandel vom Mann zur Frau sein kann: Eine zwei Jahre dauernde Vorbehandlung mit Hormonen und 14 Operationen waren nötig, damit Christian zu Nadia wurde. Der Penis wurde in eine Vagina, die muskulöse Männerbrust mit zwei je 330 Gramm schweren Silikonpolstern in einen Busen verwandelt.

Damit hatte sie sich einen Wunsch erfüllt, der seit ihrer Jugend in ihr geschlummert hatte. «Ich bin mit dem falschen Geschlecht geboren worden und konnte deswegen nie glücklich sein», sagte Brönimann einst in einem Interview.

Doch das von ihr so intensiv vermisste Glücksgefühl fehlte Nadia auch nach der Geschlechtsanpassung. Zu viel ist schiefgelaufen. Nach dem ersten chirurgischen Eingriff litt sie unter starken Entzündungen im Unterleib, musste immer und immer wieder nachoperiert werden – insgesamt 14-mal. In ihrem aktuellen Buch schreibt die Transsexuelle: «Ich habe noch immer oft starke Depressionen und Ängste.»

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