Ein Montagsauto? Nein danke! Denn der Ärger mit einem schludrig gefertigten Gefährt ist vorprogrammiert. Warum also soll man ein Buch mit dem Titel «Montagsmenschen» lesen? Doch es geht der Leserin wie der Autorin selber. Milena Moser (48) sagt beim Gespräch in ihrer Schreibwerkstatt: «Ich habe die Figuren zum Schluss richtig ins Herz geschlossen.» Und sie wehrt sich nicht nur für die Schwächen von Nevada, Ted, Poppy und Marie, sondern begründet ihr Interesse an diesen Menschen, die einen Tick weghaben, grundsätzlich: «Was soll man über jemanden erzählen, der keine Probleme hat und einen schnurgeraden Weg geht? Das mag angenehm sein im Leben, aber für eine Geschichte gibt es nicht viel her.»

Zu sagen, Milena Moser koste die Schwächen der Menschen aus, wäre so falsch wie der Schluss, ein Buch über – vermeintliche – Verlierer-Typen müsse schwermütig sein oder depressiv machen. Natürlich verzweifelt man, wenn der Lehrer Ted immer auf die falschen Frauen fliegt, wenn die Redaktionsarchivarin Poppy einen Mord gesteht, den sie nicht begangen hat, wenn die Yogalehrerin Nevada sich mit härteren Übungen noch mehr quält, statt auf die Warnsignale ihres Körpers zu hören, und wenn die Ärztin Marie sich im Schatten ihres Mannes, einem Arzt-Seriendarsteller, immer kleiner macht.

Doch die vier Geschichten sind so voller Leben, angereichert mit Situationskomik und in einer fadengeraden Sprache erzählt, dass man sich nach einer Aufwärmphase gerne in diesen Strudel reissen lässt.

Seit ihrem erstem Bestseller «Die Putzfraueninsel» von 1991 vereinfacht uns Milena Moser die Lektüre mit ihrem grossen Sinn für Humor. Aber wo ist ihre freche Verteidigung der Frauen geblieben? Warum hat sie heute Erbarmen mit dem alleinerziehenden Ted, der an hilfreichen Müttern, an der schwierigen Tochter, der unberechenbaren Ex und der frustrierten Mutter scheitert? Doch warum soll die Ironie nicht auch Frauen treffen? Wenn es allerdings um Diskriminierung, Missbrauch oder häusliche Gewalt geht, dann ist fertig lustig. Dann greift Moser wie in all ihren Büchern ein und stellt klar.

die Stärke des Romans liegt in seiner Verankerung im Schweizer Alltag. Selbst allzu turbulente Details, die für Heiterkeit oder Auflockerung sorgen, können diesen Eindruck nicht stören. Aktuelle Fragen – Patchworkfamilie, bloggen, statt miteinander zu reden, Einsamkeit in der Hektik, unheilbare Krankheit, Hausärztemangel, Probleme in Immigranten-Quartieren – haben ihren Platz. Diese Fülle gehöre zu ihr, sagt Milena Moser: «Schriftsteller und ihre Bücher haben immer etwas miteinander zu tun. Natürlich nicht eins zu eins. Aber ich lebe auch so, überall flackert etwas: Ich habe viele Freunde, ich schreibe Bücher und Kolumnen, mache Theater, unterrichte und habe Familie. Jemand, der weniger verzettelt ist, schreibt eher ein Buch über ein einziges Thema.»

Wie kommt die Autorin zu ihren Figuren? Gibt es Vorbilder oder sind es Kopfgeburten, die in einen Plan eingepasst werden? Milena Moser staunt über das Wort Plan: «Ich arbeite sehr intuitiv. Ich habe am Anfang keinen Plan und auch die Figuren existieren noch nicht.» Und sie zitiert Friederike Mayröcker: «Man will dort hin, wo man nicht weiss, wo es ist. Es ist eine Sucht.»

Die Anlage des Romans ist einfach: Immer am Montagabend treffen sich Poppy, Marie und Ted bei Nevada in der Yoga-Stunde. Erst im Verlaufe des Romans und nach diversen Unglücksfällen kreuzen sich ihre Wege auch im Alltag. Was sie ebenfalls verbindet, ist das Motiv der unglücklichen oder falschen, der verlorenen oder der abgelehnten Liebe – und ihrer Sehnsucht danach.

Nachdem uns die Autorin über 370 Seiten durch Krisen und Pannen gelotst hat, findet sie für jede Figur eine Art Happy End. Muss das sein? «Unbedingt. Ich hatte so Erbarmen mit den Figuren, die haben so viel durchgemacht.» Leichtgefallen sei es ihr nicht: «An diesen letzten 30 Seiten habe ich am längsten gearbeitet. Ich musste jeden einzelnen, wie eine Mutter ihre Kinder, ins Bett bringen, zudecken, noch übers Haar streichen.»

Der Schlüssel zum Happy End ist Yoga. Ist das ihre Botschaft? Sie mache seit zwölf Jahren Yoga – immer montags, ergänzt Milena Moser lachend. «Für mich ist Yoga der Schlüssel zum Glück, obwohl ich keine Vorzeige-Yogini bin. Ich kann die Welt in ihrer ganzen Wucht ohne einen Halt nicht ertragen. Ich glaube, die meisten Menschen brauchen eine Sicherheit, aber das können ganz unterschiedliche Überzeugungen oder Leitplanken sein.»

Eine letzte Frage noch: Woher rührt ihre Sympathie für diese Pannenmenschen. Sie selber wirkt ja nicht wie ein Montagsmensch. «Doch, natürlich», erklärt Milena Moser, «aber ich finde es heute kein Problem mehr. Ich teile mit Poppy das Scheitern im Alltag, das Überfordert-Sein. Ich hatte einfach das Glück, dass ich daraus etwas entwickeln konnte. Ich bin ein Montagsmensch mit Diplom.»

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