Der 42-jährige Serbe Goran H.* geniesst in der Schweiz Asylstatus. Sein Asylgesuch wurde zwar abgelehnt, doch Goran H. ist trotzdem «vorläufig aufgenommen». Die Rückkehr in seine Heimat sei unzumutbar, urteilte die zuständige Migrationsbehörde. Doch jetzt zeigt sich: Der in Serbien angeblich verfolgte Goran H. kann sich problemlos in seinem Heimatland aufhalten. Kürzlich gönnte sich der «Flüchtling» in heimatlichen Gefilden sogar ein paar Urlaubstage und holte auf dem Passbüro einen neuen serbischen Pass ab.

Goran H. unternahm den Ausflug nach Serbien im Juni, zusammen mit seinem 17-jährigen Sohn. Bei der Rückreise fuhren sie in einer Luxuskarosse an der Schweizer Grenze vor. «Goran H. holte das Fahrzeug, einen Porsche Cayenne, in Deutschland ab, um eine Probefahrt zu machen», rapportierte der diensthabende Grenzwächter. «Er erklärte, dass er das Fahrzeug eventuell zu einem späteren Zeitpunkt kaufen wolle.»

Sowohl Goran H. als auch dessen Sohn hätten in der Schweiz «Asylstatus», vermerkte der Grenzwächter. Den serbischen Pass habe Goran H. «laut eigenen Angaben persönlich in Serbien abgeholt». Der Pass wurde eingezogen – doch Vater und Sohn reisten wieder in die Schweiz ein.

Ab in die Heimat – Goran H. ist kein Einzelfall. «Es wurden in der Praxis Fälle festgestellt, wo Personen mit einer vorläufigen Aufnahme in der Schweiz Reisen ins Herkunftsland unternehmen», heisst es beim Bundesamt für Migration (BFM).

Anfang Jahr wurde der Fall eines 33-jährigen Eritreers publik, der im Kanton Aargau eines Tages plötzlich nicht mehr zur Arbeit erschien. Auch er ist in der Schweiz «vorläufig» aufgenommen. Dem konsternierten Arbeitgeber teilte die Polizei mit, der junge Mann weile gerade in seiner Heimat in den Ferien.

Die missbräuchlichen Trips werden den vermeintlichen «Flüchtlingen» leicht gemacht. Per 1. März wurde die «Verordnung über die Ausstellung von Reisedokumenten für ausländische Personen» revidiert. Zuvor mussten vorläufig aufgenommene Asylanten triftige Reisegründe nennen, um ein Rückreise-Visum in die Schweiz zu bekommen. Neu sind sie vom Nachweis spezifischer Reisegründe befreit.

Entsprechend ist die Zahl der bewilligten Auslandreisen explodiert: 2009 stellte das BFM rund 300 Rückreisevisa aus – 2010 waren es 2600. In diesem Jahr sind bis Ende Juni bereits 1037 Rückreisevisa ausgestellt worden.

Die gelockerten Reisebestimmungen öffnen dem Missbrauch Tür und Tor. «Das Bundesamt für Migration hat diese Problematik erkannt», sagt BFM-Sprecher Michael Glauser. Die neue Verordnung habe «zu einer Zunahme des Volumens möglicher Missbrauchsfälle» geführt. Jetzt wird die Migrationsbehörde aktiv: Sie hat eine Arbeitsgruppe einsetzt, um die neue Praxis zu überprüfen.

Neben Exkursionen in die Herkunftsländer habe man auch festgestellt, «dass Auslandreisen von langer Dauer unternommen werden, namentlich von sozialhilfeabhängigen Personen, für welche die Sozialstellen Wohnung und Versicherungen weiterbezahlen», so Glauser. Die Task Force des BFM werde «bis spätestens Ende Oktober» in einem Bericht konkrete Massnahmen vorschlagen.

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