Wird Bettwil zum «Kaiseraugst» der Asylpolitik? Hier kristallisieren sich zurzeit die Probleme der Schweizer Asylpolitik, die unvorbereitet auf den Flüchtlingsstrom aus Nordafrika zu sein scheint. Das zeigt die abrupte Entscheidung von Militärdepartement VBS und Bundesamt für Migration BFM, in Bettwil eine Unterkunft für 140 Männer einzurichten. Eine Informationsveranstaltung mit Regierungsrätin Susanne Hochuli und BFM-Vertretern artete am Donnerstag in Tumulte aus.

Jetzt wird klar: Die einst geheim gehaltene Militäranlage ist für Flüchtlinge ungeeignet. Dies ergab ein Augenschein des «Sonntags». Auf dem 20 Hektaren grossen, eingezäunten Gelände stehen Baracken mit dünnen, nicht isolierten Bretterwänden. Sie sind kaum beheizbar. Insgesamt gibt es nur 32 Betten – und 2 Duschkabinen, 4 Pissoirs sowie 10 Toiletten, die über das Gelände verteilt sind. Hier sollen 140 Männer leben.

Darum der böse Verdacht der Bettwiler: Heimlich soll ein Containerdorf errichtet werden. Und dies für viel längere Zeit als die sechs Monate, während derer die Asylbewerber gemäss der Ankündigung der Behörden hier bleiben sollen. Das Departement von Susanne Hochuli dementierte gestern diese Absicht.

Morgen reist Justizministerin Simonetta Sommaruga in den Aargau. Auf der Agenda steht ein Treffen mit der Aargauer Regierung. «Der Fall Bettwil wird ein Thema sein», sagt eine Sprecherin der Bundesrätin. Das Treffen sei jedoch schon von langer Hand geplant gewesen.

Beim Bundesamt für Migration ist man sich der Defizite bewusst. «Die Anlage erfordert bauliche Massnahmen», sagt BFM-Sprecher Michael Glauser: sanitäre Anlagen, Betten, Heizmöglichkeiten, Wasserzufuhr und Container für das Sicherheitspersonal. Der Bund sei in einer Notsituation. Die Anlage soll im Januar in Betrieb genommen werden.

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