Die Schweiz kann den Ansturm der Asylsuchenden kaum stemmen. Deshalb erhalten nicht-straffällige Asylbewerber Geld vom Bund, wenn sie freiwillig in ihre Heimat zurückkehren. Ein Angebot, dass zunehmend genützt wird, wie neue Zahlen des Bundesamts für Migration (BFM) zeigen.

Im ersten Halbjahr 2012 verliessen 2054 Asylbewerber freiwillig die Schweiz. Damit ist man nach sechs Monaten fast auf dem Niveau des gesamten Vorjahrs. 2011 waren es insgesamt 2771. Der Bund zahlte damals über 4 Millionen Franken an heimreisende Flüchtlinge aus. Nun sind es bereits knapp 3 Millionen.

Ende Dezember 2011 steckten über 40 000 Personen im Asylprozess. Der Bund ist deshalb froh um jeden Asylsuchenden, der nicht im langwierigen Prozess hängen bleibt. Doch nicht alle ausgereisten Asylbewerber bekommen gleich viel Rückkehrhilfe. Je nach Herkunftsland unterscheidet sich die Unterstützung deutlich. Am meisten erhalten die Nigerianer, im Durchschnitt fast 6000 Franken. Es folgen die Iraker (5257) und Asylbewerber aus Sri Lanka (3366). Hingegen sind es bei den Mazedoniern und Serben nur zwischen 100 und 200 Franken pro Person.

Wie viel Geld die Asylbewerber als Entschädigung bekommen, hängt von mehreren Faktoren ab. Verlässt der Asylsuchende direkt aus den Empfangs- und Verfahrenszentren die Schweiz, erhält er bis zu 500 Franken – das Geld kriegt er bar am Flughafen. Bei einer individuellen Rückkehrhilfe sind es 1000 Franken in bar und bis zu 3000 Franken für Geschäftsprojekte oder Ausbildung.

Für ausgewählte Länder können ausserdem spezielle Programme eingeführt werden. Dann wird noch mehr ausbezahlt. Der Bund berücksichtigt vor allem die politische Situation im Herkunftsland und wie viele aus dieser Nation in der Schweiz um Asyl ersuchen. Zurzeit gilt diese Regelung für Nigeria, Georgien, Guinea-Conakry, Irak und seit Juli auch für Tunesien – weil besonders viele Tunesier in den letzten Monaten in die Schweiz kamen.

Michael Glauser, Sprecher des BFM, bestätigt, dass ein Missbrauchspotenzial vorhanden ist. Deshalb achte der Bund gemeinsam mit Botschaft und NGOs vor Ort darauf, dass die finanzielle Unterstützung auch in die dafür vorgesehenen Projekte fliesst. Darunter fallen zum Beispiel die Viehzucht, der Start eines Taxiunternehmens oder eines Internetcafés im Heimatland. Hinzu kommt, dass laut BFM der Aufenthalt in der Schweiz für den Bund wesentlich teurer ist als die Zahlung einer einmaligen Rückkehrhilfe.

Dass damit erst recht der Anreiz geschaffen wird, in die Schweiz zu gelangen, um die Unterstützung abzugreifen, verneint Glauser. «Die Reise ist meistens sehr gefährlich und teuer», sagt er. «Häufig verschulden sich ganze Familien.» Leichtfertig würde deshalb niemand den Weg in die Schweiz auf sich nehmen.

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