Die innovativsten Pädagogen der Welt:» Mit diesem Slogan wirbt Apple derzeit um Schweizer Lehrer. Sie sollen sich in den Dienst des Computer- und Software-Giganten stellen – und an ihrer Schule dafür sorgen, dass mit Apple-Produkten gelernt und gelehrt wird.

«Apple Distinguished Educators» heisst der kleine, feine Zirkel der Werbeträger. 28 Schweizer Lehrer dürfen den Titel bereits tragen. «Sie unterstützen den Einsatz von Apple-Produkten als Lernhilfen», heisst es auf der Homepage des Konzerns. Und: «Mitglied des ADE Netzwerks zu sein, ist etwas Besonderes für einen selbst – aber es ist vor allem eine Chance, wirklich etwas zu bewegen.»

Etwas bewegen möchte Apple auf dem Schweizer Bildungsmarkt. Dabei verfolgt der Konzern mit dem Apfel-Logo eine ausgeklügelte Marketing-Strategie. Die Botschaft ist einfach: Apple verkauft nicht nur Computer – sondern ein Lebensgefühl. Konkurrenten wie Microsoft können nicht mithalten, obwohl auch sie in Schulen eifrig Werbung machen.

Ein siebenköpfiges «Education»-Team plant die Bildungsoffensive bei Apple Schweiz. Schulen und Kindergärten von Amden-Weesen über Baden, Basel, Goldau und Frauenfeld bis nach Mettmenstetten und Regensdorf haben bereits iPads in den Unterricht integriert. Die Reaktion auf die Pilot-Projekte ist dabei immer die gleiche: ««Mit den Tabletcomputern sehen wir geniale Möglichkeiten für das neue Lernen mit digitalen Medien. Die Kinder sind extrem begeistert. Auch die Lehrer machen positive Erfahrungen», sagt Steve Bass, Medienpädagoge der Primarschulen Regensdorf, wo derzeit pro Schulhaus zwei iPads in Gebrauch sind.

Nach Angaben des internationalen Forschungsinstituts Gartner hat Apple im Schweizer Bildungsbereich bereits einen Marktanteil von 70,4 Prozent. Und das ist erst der Anfang: Mit Geräten wie dem iPad und neuer Lern-Software wird die Marktmacht weiter wachsen.

Die wichtigsten Partner sind dabei die Lehrer: Neben den «Apple Distinguished Educators», die auf Konzernkosten an nationalen und internationalen Seminaren teilnehmen und für den Schulgebrauch gratis Software testen können, baut Apple derzeit ein Weiterbildungsprogramm für Lehrer in der Schweiz auf. Es trägt den Namen «Apple Professional Development Programm» und soll nach Angaben von Apple Schweiz komplementär sein zu den Angeboten der Pädagogischen Hochschulen im Bereich Medien und Informations- und Kommunikationstechnologie, kurz ICT genannt.

«Apple-Professional-Development-Kursleiter sind Leute mit pädagogischem Hintergrund, die ihr Wissen über den Einsatz von Apple-Technologie im Unterricht anderen Lehrpersonen in Kursen vermitteln», erklärt Andrea Brack von Apple Schweiz. Diese Pädagogen können für Weiterbildungen in erster Linie von Schulen, aber auch von Fachhändlern oder Apple selbst gebucht werden, um Kurse, etwa über den Einsatz von iPads im Unterricht, durchzuführen. Andrea Brack: «Derjenige, der diese Pädagogen bucht, entschädigt ihn auch für den Aufwand.» Die Lehrer erhalten ein Honorar von einigen hundert Franken pro Tag. Pro Jahr sollen sie an mindestens sechs Tagen über Apple informieren – freilich mit dem Wissen und der Zustimmung der Schulleitung.

Parallel dazu überzieht Apple Education die Schweiz mit einem Netz von Schulungszentren, so genannten Regional Training Centers. Dabei sucht das Unternehmen Partnerschaften mit bewährten Bildungseinrichtungen wie Pädagogischen Hochschulen. Hier sollen Lehrer lernen, Apple-Produkte im Unterricht einzusetzen. Zudem arbeitet der Konzern daran, Schweizer Schulbücher in allen vier Landessprachen digital für den iPad verfügbar zu machen.

Die Offensive stösst auf Widerstand: «Ein Monopol der Firma Apple ist keine Wunschvorstellung, Konkurrenz belebt die Entwicklung», sagt Martin Wendelspiess, Leiter des Volksschulamtes im Kanton Zürich. Michael Wüthrich, Grüner Grossrat aus Basel-Stadt, fürchtet um die Unabhängigkeit der Bildung, wenn sich Lehrer in den Dienst des Konzerns stellen: «Die Lehrkräfte müssen frei sein», so Wüthrich. «Sie kommen in einen Interessenkonflikt, wenn sie für Apple werben. Schliesslich ist das kein Wohltätigkeitsunternehmen, sondern ein Konzern, der auf Gewinnmaximierung bedacht ist.» Tatsächlich steht in der Vereinbarung, welche die Apple-Lehrer unterzeichnen, unter dem Titel «Was Sie von uns bekommen»: «Eine enge Zusammenarbeit mit dem Sales und Marketing-Team von Apple Education.»

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