Umweltschützer Franz Weber habe seinen Widerstand gegen das gesamte Ferienresort des ägyptischen Investors Samih Sawiris aufgegeben. Diese Falschmeldung der «SonntagsZeitung» vom 21. April verleitete einen Sprecher der Sawiris-Firma Andermatt Swiss Alps zum verfrühten Jubel, nun sei «ein wesentlicher Unsicherheitsfaktor für die Käufer von Immobilien in Andermatt vom Tisch».

Doch Webers Kampftruppe Helvetia Nostra hat nur die Einsprachen gegen den Bau der 42 Appartementhäuser fallengelassen. Die 24 Luxusvillen will sie jedoch verhindern, sofern sie nicht als Erstwohnung genutzt werden. «Aus unserer Sicht sind sie gemäss dem neuen Verfassungsartikel als Zweitwohnung nicht erlaubt», sagt Fabian Dreher, Kampagnen- leiter bei Helvetia Nostra für alle Deutschschweizer Zweitwohnungsprojekte. «Immer, wenn eine konkrete Bauausschreibung vorliegt, werden wir prüfen, ob wir rechtlich dagegen vorgehen können.»

Grünes Licht dafür erhielt Franz Weber diese Woche vom Bundesgericht. Es entschied, Helvetia Nostra sei gegen Baubewilligungen von Zweitwohnungen beschwerdeberechtigt.

Damit droht Sawiris ein jahrelanger Rechtsstreit, während dem er kaum neue Villen verkaufen kann. «Wir werden auf keinen Fall mit dem Villenmarketing anfangen, bevor die Rechtslage geklärt ist», räumt Sawiris ein. Das kann lange dauern: Es gibt vier Beschwerdeinstanzen; die letzte ist das Bundesgericht. Schon bisher konnte Sawiris nur drei Villen verkaufen. Die erste gehört dem Schaffhauser Unternehmer Giorgio Behr und ist bald bezugsbereit. Die zweite schnappte sich ein Bruder von Sawiris. Der dritte Käufer, der schwerreiche Immobilienhändler David Ross aus Monaco, ist laut Sawiris wieder ausgestiegen, «weil es ihm stinkt, dass es wegen der Zweitwohnungsinitiative so lange dauert». Ross habe sein Geld zurückverlangt.

Sollte Weber tatsächlich Einsprache gegen die Villen erheben und damit vor Gericht durchdringen, trifft das Sawiris am empfindlichsten Punkt. Denn ohne die Villen als Filetstücke wird die Gesamtrendite seines Resorts kleiner. «Viel kleiner», wie er korrigiert. «Die Villen bringen uns sehr viel Geld, damit sich das Projekt trägt. Aus den Villen werden wir mindestens 200 Millionen Franken Überschuss bekommen.»

Sawiris stellt sich auf den Standpunkt, der Bau der Villen sei auch nach Webers Abstimmungssieg möglich. Denn er erfülle die Übergangsverordnung zur Zweitwohnungsinitiative. Diese erlaubt neue Zweitwohnungen, wenn sie auf einem Sondernutzungsplan basieren, der vor dem Abstimmungstag genehmigt worden war und der die wesentlichen Elemente der Baubewilligung wie Lage, Stellung, Grösse und Gestaltung der Bauten regelt. Das ist zwar in Andermatt der Fall. Doch in den Augen von Helvetia Nostra ist der Sondernutzungsplan zu wenig detailliert, um als Baubewilligung durchzugehen. «Die Villenbereiche sind nur sehr grob definiert, damit die Bauherren relativ grosse Freiheiten haben», sagt Fabian Dreher. Tatsächlich ist im Sondernutzungsplan für die Villen nur deren Baulinie und ungefähre Lage vermerkt. Dies im Gegensatz zum Plan für die Appartements, der Grösse und Gestaltung detailliert vorschreibt.

Sawiris zückt aber noch ein zweites Argument: Er findet, er habe einen Rechtsanspruch auf vollständige Fertigstellung des bewilligten Resorts. Durch die Zweitwohnungsabstimmung seien die verfassungsmässige Besitzstandsgarantie und der Grundsatz von Treu und Glauben nicht ausser Kraft gesetzt worden. Zudem habe der Bundesrat den Verkauf des Bodens und die Ausnahme von der Lex Koller mit der Bedingung verknüpft, dass das gesamte Resort realisiert wird – inklusive Villen.

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