Das Bundesamt für Migration (BFM) zahlt Asylbewerbern aus Nordafrika bis zu 4000 Franken, wenn sie wieder ausreisen. «Es gibt 1000 Franken in bar und bis zu 3000 Franken für individuelle Berufsprojekte, Wohnraumunterstützung oder Ausbildungsmassnahmen», bestätigte das BFM. Die Rückkehrhilfe könne von allen Personen im Asylbereich beantragt werden, die das Land freiwillig verlassen würden.

Sogar für abgewiesene Asylbewerber, die eine Ausreise verweigern, soll es neu finanzielle Anreize geben. «Das BFM prüft zurzeit, inwiefern sie zu einem selbstständigen Rückflug bewegt werden können, allenfalls durch Beratung oder ein erhöhtes Reisegeld», sagt eine BFM-Sprecherin.

4000 Franken sind mehr als ein Jahresgehalt in Tunesien. Auf die Schweiz umgerechnet, entspricht das einer Summe von 70000 Franken. Auch andere Länder leisten finanzielle Zuschüsse an heimkehrwillige Migranten. In Österreich gibt es für die meisten Migranten eine Rückkehr-Pauschale von 480 Franken – deutlich weniger als in der Schweiz. Der Bund zahlt aber auch an Asylbewerber aus anderen Staaten eine Rückkehrhilfe. Allein 1,8 Millionen Franken waren es im letzten Jahr, wie eine Auswertung des BFM zeigt. Spitzenreiter ist Serbien.

Derweil schaltet sich IKRK-Präsident Jakob Kellenberger in die Flüchtlingsdebatte ein und richtet einen Appell an die Politik. Es sei «sicher falsch, von einem Flüchtlingsstrom auszugehen, der auf Europa zukommt», sagt Kellenberger im Interview.

Wichtig sei, zwischen Migranten und Flüchtlingen im Sinne der Genfer Flüchtlingskonvention zu unterscheiden. «Es gibt keinen Flüchtlingsstrom, aber ein Migrationsproblem», so Kellenberger. Flüchtlinge im Sinne der Genfer Flüchtlingskonvention hätten das Recht, ein Asylgesuch zu stellen: «Ich spreche von Menschen, die davon bedroht sind, verfolgt zu werden, wenn sie in ihr Land zurückkehren. Das muss getrennt werden von Leuten, die ihre Heimat aus wirtschaftlichen Gründen verlassen.» Diese Unterscheidung zu machen, fände er «sehr hilfreich».

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