VON OTHMAR VON MATT UND PATRIK MÜLLER

Die beiden freisinnigen Bundesratskandidaten machen im Doppelinterview mit dem «Sonntag» klar, dass sie sich nicht als «Bundesräte auf Zeit» sehen. «Ich trete natürlich nicht an, um in einem Jahr schon wieder wegbefördert zu werden», sagt Schneider-Ammann.

Noch deutlicher wird Keller-Sutter: «Bundesräte sollten keine Wegwerfartikel sein.» Weitere Aussagen der beiden lassen den Schluss zu, dass sie nicht freiwillig zurücktreten würden, sollte die FDP bei den Parlamentswahlen 2011 auf Rang vier zurückfallen. Sie betonen: «Der Wahlkörper ist die Bundesversammlung.» FDP-Präsident Fulvio Pelli hatte Anfang August angekündigt, dass der Neugewählte ein «Bundesrat auf Probe» sei.

Denn die FDP meine es ernst mit der Konkordanz, deshalb würde sie im Fall einer Wahlniederlage den neuen Bundesrat wieder zurück ziehen. Schneider-Ammann bestätigt, dass Pelli dieses Rücktritts-Versprechen jetzt mit den Kandidaten diskutiert habe: «Er stellte uns beiden die Frage, ob wir bereit wären, uns zurückrufen zu lassen.» Er habe geantwortet, «wenn es so weit käme, werde man diesen Ruf hören müssen», sagt Schneider – fügt aber die eingangs erwähnten Relativierungen bei. Keller-Sutter wiederum antwortet im Interview ausweichend.

Für sie wäre eine bloss einjährige Amtszeit schwieriger als für Schneider. Dieser könnte wieder in sein Unternehmen zurückkehren: Sein Firmenbüro räumt er vorerst nicht, wie aus der Ammann-Gruppe verlautet. Aus dem Umfeld beider Kandidaten wird auch klar, dass sie verärgert sind über das «unnötige Rücktritts-Versprechen», das Pelli abgegeben hat.

Der Parteipräsident selber will nicht kommentieren, ob er den Kandidaten ein Versprechen abgerungen hat: «Wir geben keine Informationen über die Gespräche mit unseren Kandidaten», sagt Pelli. Die Unsicherheit darüber, wie weit seine ursprüngliche Aussage noch verbindlich ist, wird vor allem in der CVP für Irritation sorgen. In der «Arena» behaftete Fraktions-Vizepräsidentin Brigitte Häberli Pelli klar auf seinem Versprechen.

In die Defensive gerät dadurch primär Keller-Sutter. Dies zusätzlich deswegen, weil Parlamentarier ausserhalb des Freisinns erzählen, sie seien vom FDP-Generalsekretariat bis zu fünfmal um einen Termin mit Keller-Sutter gebeten worden. Einzelne sprechen von einer FDP-Kampagne für die St. Gallerin. Pelli beteuert: «Ich habe keinen Zweifel daran, dass unser Verfahren korrekt verläuft.» «Fakt ist: Schneider-Ammann kennt alle Parlamentarier, Keller-Sutter nicht», so Pelli. Deshalb sei für sie Unterstützung nötig.


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