«Ischesrächteso, lieber Chef?», schrieb mir Nico am letzten Samstag im E-Mail, mit dem er seine Karikatur für unsere wöchentliche Geldseite übermittelte. Es sollte seine letzte überhaupt sein. Vorgestern Freitag ist Nico nach zwei Herzinfarkten gestorben. Er war 73 und bis zuletzt hoch engagiert, sprudelte vor Ideen und ärgerte sich auch nach dreijähriger Zusammenarbeit immer noch unvermindert, wenn ich ausnahmsweise fand, diesmal sei die Karikatur aber nicht so witzig.

Nico – mit bürgerlichem Namen Klaus Cadsky – war über Jahrzehnte der bekannteste Karikaturist der Schweiz. 37 Jahre lang zeichnete er im Zürcher «Tages-Anzeiger», danach kurze Zeit für Ringiermedien und seit 2008 für den «Sonntag» und die az. Seine Karikaturen hatten grösseren politischen Einfluss als Leitartikel von Chefredaktoren. Am liebsten legte sich Nico mit den Mächtigen an. Als er einmal Christoph Blocher begegnete, begrüsste ihn der Politiker so: «Aha, Sie sind jetzt also der, der mich immer zur Sau macht.» Solche Reaktionen, so erzählte er einmal, täten ihm gut. Würden die Beschimpfungen versiegen, höre er auf. So weit liess er es nicht kommen.

Nico war ein Künstler, und Künstler kennen kein Pensionsalter. Solange er lebe, zeichne er, und solange er zeichne, lebe er, sagte er – und fügte vor Spitalaufenthalten dann gern noch einen makabren Spruch hinzu. Ein Gespräch mit ihm, etwa in seinem Lieblingslokal, der «Krone» in Solothurn, war immer inspirierend und fadengerade ehrlich. Und danach ging man meist mit einer Idee auf die Redaktion zurück, denn Nico verstand sich auch als Journalist und Informant. Einmal rief er an und sagte: «Kommt sofort nach Solothurn! Peter Handke sitzt neben mir in der ‹Krone›, bereit zum Interview!»

Viele Entwicklungen in der neuen Medienwelt befremdeten Nico in den letzten Jahren – damit meine ich nicht, dass er lieber faxte als mailte. Instant-Journalismus und der PR-Trend in vielen Medien waren ihm zuwider. Nicos Widerborstigkeit, sein gesundes Misstrauen gegenüber den Mächtigen aus Wirtschaft, Politik, Medien und Kirche, sein Zorn über Ungerechtigkeiten und seine Weigerung, gleichgültig zu sein: Das sind Merkmale, die im Journalismus allzu oft fehlen. Darum bleibt er ein Vorbild.

Danke, Nico, für die vielen Lacher, Aufreger und Denkanstösse. Wir werden deine Karikaturen vermissen. Wir werden dich vermissen.