VON CHRISTOF MOSER UND FLORENCE VUICHARD

Die Schweizer Soldaten entwaffnen sich selbst: Nur noch 12 Prozent der Armeeangehörigen wollen am Ende ihrer Dienstzeit ihre persönliche Waffe behalten. Das zeigt eine noch provisorische Erhebung des Verteidigungsdepartementes für das Jahr 2010, die dem «Sonntag» vorliegt.

Der Rückgang im Vergleich zu den Vorjahren ist markant: 2009 haben noch 30 Prozent der Soldaten ihre Waffe bei der Ausmusterung gekauft und mit nach Hause genommen. 2004 waren es gar 43 Prozent. 31915 Gewehre und Pistolen wechselten damals aus dem Armeebestand in Privatbesitz. 2010 werden es gemäss Schätzungen der Armee weniger als 5000 Waffen sein.

Erklärt wird der Rückgang mit strengeren Auflagen: Seit letztem Jahr müssen die Armeeangehörigen einen Waffenerwerbsschein vorlegen, wenn sie ihre Waffe bei Ende der Militärdienstpflicht übernehmen wollen. Überdies müssen sie in den letzten drei Jahren vor der Ausmusterung mindestens zweimal das Obligatorische und zweimal das Feldschiessen über 300 Meter absolviert haben. Das ist offenbar immer mehr Soldaten zu viel: Sie verzichten freiwillig auf ihre Waffe.

Für die Gegner der Initiative sind die neusten Zahlen eine Bestätigung für ihr Nein: «Seit der Lancierung der Initiative ist das Waffenrecht verschärft worden, wie auch das Beispiel Armee zeigt. Die Initiative ist deshalb unnötig», sagt Nationalrätin Ida Glanzmann (CVP/LU). Anders sieht es Befürworterin Chantal Galladé (SP/ZH): «Nur dank der Initiative hat die Armee die Vorschriften für den Waffenkauf verschärft. Noch immer sind in der Schweiz 1,3 Millionen Armeewaffen im Umlauf. Nur ein Ja zur Initiative garantiert, dass sie abgegeben werden müssen.»

CVP und FDP kämpfen derzeit damit, ihre Reihen für ein Nein zur Initiative zu schliessen. Es gibt gewichtige Abweichler. Derweil gehen die Befürworter in die Offensive: In diesen Tagen formiert sich gemäss Recherchen ein prominent besetztes Ja-Komitee aus Regierungsräten und städtischen Exekutivpolitikern. Mit dabei sind unter anderem der abtretende Zürcher Justizdirektor Markus Notter, Berns Stadtpräsident Alex Tschäppät und die Zuger Regierungsrätin Manuela Weichelt-Picard, die 2001 das Attentat auf das Zuger Kantonsparlament überlebt hat. Sie stellt sich damit gegen ihren Kollegen Beat Villiger, der als Zuger Sicherheitsdirektor die Initiative ablehnt.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!