VON SANDRO BROTZ UND CLAUDIA MARINKA

Sein Ziel war eine Imagepolitur, doch der TV-Auftritt bei Tele Züri ist dem ehemaligen Armeechef gründlich misslungen. Es blieb beim Versuch, sich als Opfer darzustellen. Roland Nef beschwerte sich öffentlich über die «mediale Vernichtungsschlacht» und sprach von einer «politischen Intrige», die Samuel Schmid gegolten habe.

Nur auf das entscheidende Kapitel ging er wiederholt nicht weiter ein: die Fehltritte in der Beziehung mit seiner Ex-Freundin. Nef musste seinen Posten als Armeechef räumen, weil er die Musikerin massiv bedrängt hatte. Laut Polizeiprotokollen soll er zwischen 2005 und 2006 in ihrem Namen Sexinserate geschaltet und sie mit SMS, Telefonanrufen und Postsendungen belästigt haben.

Die Frau reichte Anzeige wegen sexueller Belästigung, Pornografie und Nötigung ein. Die Staatsanwaltschaft hat das Verfahren aufgrund des «Wiedergutmachungs-Artikels» eingestellt. Dieser sieht die Strafbefreiung eines Täters vor, wenn dieser «den Schaden gedeckt oder alle zumutbaren Anstrengungen unternommen» hat, «um das von ihm bewirkte Unrecht auszugleichen».

Recherchen Des «Sonntags» zeigen nun erstmals, wie hoch die Summe war, die in der Vereinbarung über die Wiedergutmachung festgelegt wurde. Nach Informationen aus Behördenkreisen handelt es sich um rund 50 000 Franken. In der Fernsehsendung wollte Nef partout keine Summe angeben und erklärte lediglich: «Ich habe kein grosses Bankkonto.» Seine Familie sei heute aber «in ihrer Handlungsfähigkeit massiv eingeschränkt».

In Anbetracht dessen, was er nach seinem Abgang bekommen hat, sind die 50 000 Franken aber nur ein Bruchteil davon. Nach seiner Rücktrittsankündigung im Juli 2008 erhielt er noch gut 420 000 Franken bis zu seinem Amtsaustritt vor einem Jahr. Die Summe setzte sich aus einer Lohnfortzahlung von 150 000 Franken für die verbliebenen sechs Monate sowie einer Abgangsentschädigung von 275 000 Franken zusammen. Zudem hat er seit März 2009 Anspruch auf Arbeitslosengeld. Nef war der Gehaltsklasse 38 unterstellt – was, ohne Entschädigungen, einem Monatssalär von bis zu 26 100 Franken entspricht.

Jetzt ist der ehemalige Armeechef auf Jobsuche. Er habe «einige Bewerbungen» abgeschickt, sagte Nef. Nach einem «schwindelerregenden Absturz aus ganz grosser Höhe» sei er jetzt bereit für einen Neubeginn. Seine jetzige Wohngemeinde Neerach ZH will ihn dabei unterstützen: «Ich würde ihm einen Job geben», sagt Gemeindepräsident Beat Lienhard. Doch dazu müsste er wissen, welche Qualifikationen Roland Nef eigentlich habe. Lienhard meint, jeder verdiene eine zweite Chance. Er ist sicher ein «gescheiter Mensch», so Lienhard. Nef selbst ist nach dem TV-Interview abgetaucht.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!