VON ARTHUR RUTISHAUSER

Der UBS laufen in England und Amerika die besten Leute scharenweise davon. Darum hat die Bank beschlossen, massive Lohnerhöhungen zu gewähren. Hunderte von Managing Directors, die im Schnitt etwa 270 000 Franken verdienen, erhalten 50 Prozent mehr Lohn als Kompensation für den Verlust der bisher üblichen Boni.

UBS-Sprecher Andreas Kern bestätigt dem «Sonntag»: «Es hat bei der UBS Investment Bank ausserordentliche Lohnerhöhungen gegeben, um gute Mitarbeiter bei der Bank zu halten. Löhne werden auch in anderen Branchen angepasst, wenn es darum geht, Wissen zu erhalten und das Kundengeschäft in schwierigen Zeiten zu schützen.» Zum Ausmass der Lohnerhöhungen will er sich nicht äussern.

Offenbar reagiert die UBS damit auf Lohnerhöhungen bei der Royal Bank of Scotland. Bereits im März erhielten die amerikanischen Investmentbanker bei der UBS teilweise noch erstaunlichere Lohnerhöhungen. Gemäss «New York Times» erhöhte die Bank die Fixlöhne gewisser Kader von 193 000 Franken auf 480 000 Franken. Nun profitieren laut der britischen «Daily Mail» die Investmentbanker in London.

Letztes Jahr kürzte die UBS wegen eines Rekordverlusts von 21 Milliarden Franken ihre Bonuszahlungen um 80 Prozent. Offenbar zu viel – das finden zumindest die UBS-Spitze und ihre staatlichen Aufseher.

UBS-Präsident Kaspar Villiger sagte gestern in einem Interview mit der «Berner Zeitung»: «Wir stellen fest, dass wir in wichtigen Bereichen systematisch Leute verlieren, die wir brauchen.» Pikant ist, dass die UBS ihre Milliardenverluste im Investmentbanking eingefahren hat – also genau jenem Bereich, der jetzt von Lohnerhöhungen profitiert.

Offenbar sind die Lohnerhöhungen von den Aufsichtsbehörden abgesegnet. Bei einem Hearing in der Finanzkommission des Nationalrats bezeichnete Eugen Haltiner den Exodus von Spitzenkräften bei der UBS als dramatisch.

In der Politik finden die Lohnerhöhungen unterschiedliches Echo. Die Linke kritisiert sie scharf. Der Grüne Daniel Vischer: «Ich glaube kaum, dass das zusätzliche Geld viel nützt.» Und SVP-Nationalrat Hans Kaufmann sagt: «Das ist SP-Banking. Man kürzt die Boni und erhöht dafür die Fixlöhne.»

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