Es ist der vielleicht krasseste Fall von Lohndumping, der in den letzten Jahren aufgeflogen ist: Ungarische Mitarbeiter, die in einer Schweizer Ikea-Filiale mit Ausbauarbeiten beschäftigt waren, erhielten dafür 5 Franken pro Stunde. Das ist nur ein Viertel des Mindestlohns. Zudem hätten die Betroffenen Anspruch auf einen Nachtzuschlag von 50 Prozent gehabt.

Die mindestens drei Dutzend eingesetzten Arbeiter waren in mehreren Ikea-Filialen tätig, darunter jene von Spreitenbach AG, Dietlikon ZH, Rothenburg LU und Aubonne VD. Sie waren aber nicht von Ikea angestellt. Die Möbelhauskette hatte eine Metallbaufirma mit den Arbeiten beauftragt. Diese reichte den Auftrag an mindestens 27 Subunternehmen weiter. Die zuständige Kontrollstelle hat nun ein Verfahren eröffnet.

Beim Tennisturnier Swiss Indoors Basel besteht ebenfalls der Verdacht auf Lohndumping. «Es wurden massiv nicht orts- und branchenübliche Löhne festgestellt», sagt Unia-Sekretär Andreas Giger. Kontrollen ergaben vor der letztjährigen Austragung, dass 15 Ungarn Fr. 10.35 pro Stunde erhielten. Sie waren mit dem Aufbau von Inneneinrichtungen beschäftigt. Auch deutsche Mitarbeiter waren zu Dumpinglöhnen angestellt.

Swiss Indoors war allerdings nicht der direkte Verantwortliche für die Verstösse, sondern ein Geflecht von Auftragnehmern und Subunternehmen. Weil sich alle Arbeiter als Selbstständige bezeichneten, konnten die Behörden kein Verfahren eröffnen. Denn gegen Scheinselbstständige gibt es bis heute keine Sanktionsmöglichkeit.

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