VON NADJA PASTEGA

Die Kinder spielten keine lapidaren Streiche – sie griffen ihre Opfer an und schlugen zu. Zum Teil waren die Übergriffe massiv. Nach den bisherigen Ermittlungen der Polizei im Kanton Zürich begingen 22 Kinder, die jünger als 12 Jahre sind, im letzten Jahr «strafbare Handlungen gegen Leib und Leben». Es handelt sich um 21 Buben und 1 Mädchen. Sie sind in der Kriminalitätsstatistik 2008 registriert. Die Bilanz ist erschreckend:

19 dieser mutmasslichen Kinder-Kriminellen wurden wegen Körperverletzung oder Tätlichkeiten angezeigt.

3 begingen «schwere Delikte gegen Leib und Leben». Dazu zählen gemäss Strafgesetzbuch vorsätzliche Tötung, Mord oder Totschlag.

Jeder sechste ist bereits früher kriminalpolizeilich in Erscheinung getreten – ist also ein Wiederholungstäter.

Wegen Delikten gegen Leib und Leben sind weitere 137 Kinder registriert, sie sind zwischen 12 und 15 Jahre alt. Jeder dritte Täter in dieser Altersgruppe ist nicht zum ersten mal auf dem Radar der Kriminalpolizei aufgetaucht.

Prügelnde Kinder und Jugendliche – das ist kein Phänomen, das sich auf den Kanton Zürich beschränkt. Über die ganze Schweiz verteilt gibt es «Hotspots», an denen gewaltbereite Jugendliche präsent sind (siehe Karte). «In jeder grösseren Stadt gibt es Örtlichkeiten mit erhöhtem Strafaufkommen», sagt Thomas Jauch, Sprecher der Kantonspolizei Bern.

Raubdelikte passierten meist zu nächtlichen Zeiten und an Orten, wo wenig Betrieb herrsche. «Delikte gegen die körperliche Integrität finden dagegen meist im Umfeld von Restaurants und Nachtlokalen statt.»

In luzern gilt das gebiet um den Bahnhof und das Kultur- und Kongresszentrum als neuralgischer Brennpunkt. «Wir sind hier vermehrt zivil und in Uniform präsent, damit bei Straftaten unverzüglich interveniert werden kann», sagt Urs Wigger von der Kantonspolizei Luzern.

Das gilt auch für Winterthur ZH, wo man die Polizeipräsenz beim Bahnhof verstärkt hat. Hier raubte eine zehnköpfige Kinderbande mehrere junge Passanten aus. Dabei waren auch Messer im Spiel.

«Die Delikte sind brutaler geworden», weiss Kurt Frei, Leiter Jugenddienst bei der Polizei Baselland: «Es sind vermehrt Waffen im Spiel, vor allem Stich- und Schlagwaffen.» Der Trend zu immer brutaleren Übergriffen habe mit dem Konsum von Gewaltfilmen zu tun, so Frei: «Die Happy-Slaping-Filme, die sich Jugendliche auf Youtube anschauen können, bleiben nicht ohne Wirkung.»