Nach der überraschend gestiegenen Zustimmung zur 1:12-Initiative der Jungsozialisten wechseln Wirtschaftsvertreter ihre Strategie. Gut einen Monat vor der Abstimmung über die Lohn-Beschränkung wollen sie jetzt nicht mehr beschwichtigen, sondern in aller Deutlichkeit aufzeigen, welch dramatische Folgen die Initiative ihrer Meinung nach für die Schweiz hätte. Der Weckruf ist die neue SRG-Umfrage, die Befürworter und Gegner mit je 44 Prozent gleichauf zeigt. Der Rest ist noch unentschlossen. «Ich bin sehr besorgt über diese Zahlen», sagt Andreas Koopmann, Verwaltungsratspräsident der Georg Fischer AG und Vizepräsident von Nestlé: «Kein einziges ausländisches Unternehmen würde bei einer Annahme der Initiative mehr in die Schweiz ziehen wollen.»

Mehrere Schweizer Firmen spielen durch, was sie bei einem Ja tun müssten. Aus dem UBS-Topmanagement erfuhr die «Schweiz am Sonntag», dass bei der Grossbank jede zweite Stelle in der Schweiz, die mit mindestens 750 000 Franken pro Jahr bezahlt ist, ins Ausland verlagert würde. Der Kühne+Nagel-Konzern hat bereits angekündigt, seinen Hauptsitz aus der Schweiz abzuziehen.
Der Wirtschaft reicht es nicht, die Abstimmung bloss zu gewinnen. «Die Initiative muss mit einem Nein-Anteil von über 70 Prozent bachab geschickt werden», sagt Ruedi Noser, FDP-Nationalrat und Präsident des Wirtschaftsnetzwerks Succèsuisse: «Alles andere wäre eine Kriegserklärung an die Wirtschaft.»

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