VON NADJA PASTEGA

Fast im Stundentakt laden Internet-Blogger neue Stellen aus der Doktorarbeit des deutschen Verteidigungsministers Karl Theodor zu Guttenberg aufs Netz. «Baron von Googleberg», wie er spöttisch genannt wird, soll sie wörtlich abgeschrieben haben. Doch nicht nur bei Dissertationen sind Plagiate ein Thema – auch an den Gymnasien gibt es findige «Googlebergs», die ihre Matura-Arbeit mit geklauten Passagen aufpeppen.

«Wir hatten Plagiatsfälle», sagt Hans Peter Märchy, Leiter des Amts für Höhere Bildung im Kanton Graubünden. Bisher seien zwar nur wenige Fälle aufgeflogen, «aber das hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass wir nicht über die technischen Möglichkeiten verfügten, um die Matura-Arbeiten systematisch zu überprüfen». Das will Märchy ändern: «Wir verstärken die Massnahmen gegen Plagiate.» Mit modernster Technologie wird jetzt zurückgegoogelt, um Datendiebe unter den Gymnasiasten zu entlarven.

Bei der High-Tech-Offensive machen zehn Kantone mit. Sie überprüfen die Arbeiten der Gymnasiasten mit einer Anti-Plagiats-Software. Der Kanton Zürich setzt das Programm namens Docoloc seit April 2008 ein – inzwischen haben sich die Kantone Bern, Basel-Stadt und Thurgau angeschlossen, um flächendeckend alle Matura-Arbeiten zu überprüfen.

Im Kanton Bern werden pro Jahr 2000 Matura-Arbeiten gescannt, im Kanton Thurgau sind es rund 400. Auch der Kanton Graubünden will sämtliche Matura-Arbeiten mit dem Anti-Plagiats-Programm auf übereinstimmende Internet-Fundstellen überprüfen. Die Kantone Aargau, Freiburg, Glarus, Luzern setzen Docoloc an einzelnen Schulen ein. Neu dabei ist jetzt auch der Kanton Baselland.

Auch eine gemeinsame Datenbank soll dem «copy/paste» einen Riegel schieben. Darin sind sämtliche Maturaarbeiten gespeichert – denn Schummel-Schüler kopieren nicht nur aus dem Internet, sie bedienen sich auch bei Matura-Arbeiten, die in anderen Kantonen eingereicht wurden. «Jede Arbeit, die elektronisch vorliegt, wird in die Datenbank eingelesen», sagt Hans Jörg Höhener, stellvertretender Chef des Mittelschulamts des Kantons Zürich: «Inzwischen sind mehrere Tausend Arbeiten gespeichert.»

Mit ihrer Technologie-Offensive wollen die Kantone künftige Plagiate verhindern, so Höhener: «Die Schüler sollen wissen, dass ihre Arbeiten nachgeprüft werden können – das hat eine abschreckende Wirkung.»

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