VON YVES DEMUTH UND FLORENCE VUICHARD

Der Schweizer Schwarzgeldberg schmilzt. Dank der Steueramnestie haben sich seit 1. Januar 5143 reumütige Steuersünder selbst angezeigt. Das zeigt eine Umfrage des «Sonntags» bei allen kantonalen Steuerämtern. Damit hat sich die Zahl der Selbstanzeigen im Vergleich zu 2009 mehr als vervierfacht.

Die Finanzdirektion des Kantons Zürich etwa rechnet gemäss Roger Keller damit, dass «für 2010 sicher das Vier- bis Fünffache der üblichen Zahl von Selbstanzeigen erstattet wurde». In früheren Jahren seien jeweils 250 bis 350 Selbstanzeigen eingegangen. In diesem Jahr werden sich also allein im Kanton Zürich rund 1200 Steuersünder selbst anzeigen. Der Grund: Seit dem 1. Januar ist dies einmal straffrei möglich. Zudem entfällt die sonst übliche Busse in Höhe von 20 Prozent der hinterzogenen Steuer. Die deklarierten Summen werden jedoch zu ordentlichen Steuersätzen nachbesteuert.

Diese Gelegenheit wollten sich über 5000 Steuersünder nicht entgehen lassen und meldeten Vermögen und Einkommen nach. Die Steueramnestie bringt in den 12 Kantonen, die erste Zahlen liefern können, mindestens eine Milliarde Franken Schwarzgeld ans Licht, wie die «Sonntag»-Umfrage zeigt. In St.Gallen zum Beispiel deklarierten die Steuersünder Vermögen im Wert von 122 Millionen, im Jura 80 Millionen, in Graubünden 73 Millionen und im Kanton Aargau bis Ende September von 78 Millionen Franken.

In viel kleinerem Umfang wurden Einkommen nachgemeldet. Im Kanton Bern etwa bloss in jedem 10. Fall, wie Yvonne von Kauffungen von der bernischen Steuerverwaltung sagt. Trotzdem kamen auch hier in einigen Kantonen erhebliche Summen zusammen: 2,9 Millionen in Freiburg, 2,2 Millionen in Graubünden und 8 Millionen in Neuenburg.

«Dicke Fische» haben sich bei auffällig vielen Kantonen gemeldet. Im Kanton Schwyz etwa haben zwei Steuerhinterzieher ein Wertschriftenvermögen im Wert von 48 Millionen Franken und 25 Millionen deklariert, in Zürich wurde ein unversteuertes Vermögen von rund 40 Millionen Franken gemeldet, im Wallis eines über 30 Millionen, im Jura umfassen die bedeutendsten Fälle zwischen 5 und 10 Millionen. Und im Kanton Basel-Landschaft hatte ein grosser Fall Nachsteuern von rund 1,3 Millionen Franken zur Folge.

Die grosse Mehrheit der Selbstanzeigen stammt von natürlichen Personen. Hubert Hofmann von der St. Galler Steuerverwaltung hält fest, «dass sehr viele ältere Steuerpflichtige am Lebensabend ihr Gewissen beruhigen möchten». Nur wenige Kantone registrieren auch Selbstanzeigen von juristischen Personen. Am meisten sind es in Genf mit 10 Fällen.

Der Gang auf die Steuerämter freut die Kantone: «Die Zahl der Selbstanzeigen hat unsere Erwartungen deutlich übertroffen», hält Hofmann fest. Eine positive Bilanz ziehen etwa auch die Kantone Aargau, Basel-Stadt, Solothurn, Luzern, Glarus, Jura, Neuenburg, Genf, Freiburg und Wallis. Als «eher bescheiden» bezeichnet hingegen der Baselbieter Steuerverwaltungsvorsteher Peter Nefzger die finanzielle Ergiebigkeit der Steueramnestie. Und in Zug wird der Amnestie keine grosse Wirkung zugeschrieben, da der Kanton die straflose Selbstanzeige bis zum Jahr 2000 bereits kannte.

Die Staatskassen diverser Kantone und Gemeinden werden jedoch durch die Selbstanzeigen 2010 einen erheblichen Zustupf verbuchen: Baselland und Graubünden rechnen je mit 3 Millionen Mehreinnahmen, Jura mit 3,5 Millionen, der Aargau mit 4 Millionen, Thurgau mit 5 Millionen, Luzern mit 8,2 Millionen, St.Gallen mit 10 Millionen und Basel-Stadt sogar mit 11 Millionen Franken. Auch die Eidgenössische Steuerverwaltung profitiert.

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