UBS VERGOLDET INVESTMENT - BANKER

Konzernchef Oswald Grübel lässt sich seine 17000 Investmentbanker im Durchschnitt 430000 Franken kosten. Sie sollen mehr Risiken eingehen – und die Bar-Obergrenze bei den Boni von 1 Million Dollar soll wieder fallen. Der Unmut bei Schweizer UBS-Mitarbeitern wächst.

VON PATRIK MÜLLER

Wer bekommt für 2010 wie viel Bonus? In dieser Woche mussten bei der UBS Vorgesetzte die ersten Formulare ausfüllen, wie das Füllhorn ausgeschüttet werden soll. Dabei macht sich Missstimmung breit. Denn viele Kundenberater und Vermögensverwalter ärgern sich, dass sie zurückbuchstabieren müssen – während ihre Kollegen im Investmentbanking «in Saus und Braus leben, als hätte es nie eine Krise gegeben», wie sich ein Angestellter ausdrückt.

Gemäss Recherchen des «Sonntags» werden für Löhne und Boni im Investmentbanking dieses Jahr 1,3 Milliarden Franken mehr bereitgestellt als letztes Jahr. Das Investmentbanking umfasst unter anderem das Wertschriftengeschäft, Börsengänge und Fusionen von Firmen, Kapitalbeschaffung für Staaten und Unternehmen, Verwalten von alternativen und auch hoch spekulativen Anlagen. In dieser Sparte entstanden die 50-Milliarden-Verluste, welche die UBS an den Rand des Abgrunds brachten.

Was bedeutet das für den einzelnen Angestellten? Die Personalkosten pro Investmentbanker – und davon gibt es bei der UBS weltweit 17000 – werden dieses Jahr auf durchschnittlich 430000 Franken veranschlagt (Löhne, Boni, Nebenkosten etc.). Das sind 21 Prozent mehr als 2009. Dies zeigen Hochrechnungen aufgrund der ersten drei Quartale. 430000 Franken – das entspricht ziemlich genau einem Bundesratslohn.

Darben müssen zwar auch die Angestellten im Schweizer Privat- und Firmenkundengeschäft sowie in der Vermögensverwaltung nicht. Aber für diese 27600 Mitarbeiter sind im Durchschnitt 173300 Franken vorgesehen – 8 Prozent weniger als im letzten Jahr, und vor allem: zweieinhalbmal weniger als bei den Investmentbankern, die typischerweise in London oder New York arbeiten. Dabei schrieb das Investmentbanking im dritten Quartal rote Zahlen. Die Schere öffnet sich, nachdem sie sich in der Krise etwas geschlossen hatte.

UBS-Finanzchef John Cryan bereitete das Terrain für höhere Ausschüttungen Ende Oktober vor, als er bei der Präsentation der Quartalszahlen ankündigte, wegen der Boni würden zusätzliche Kosten auf die Aktionäre zukommen. «Wir haben letztes Mal versucht, nicht zu zahlen, und es kam nicht gut heraus», sagte er – und spielte dabei auf den Exodus von Investmentbankern an, welche die Bank verlassen und zur besser zahlenden Konkurrenz gewechselt haben. Das soll sich nicht wiederholen.

Hintergrund sind die kühnen Gewinnziele, die Oswald Grübel setzt. Der 67-Jährige, den schon jetzt der Nimbus des UBS-Retters umgibt, möchte bis ins Jahr 2014 einen Vorsteuergewinn von 15 Milliarden Franken vorweisen können – mehr, als die Bank in den Boomjahren unter Marcel Ospel erreicht hat.

Das schafft Grübel mit der klassischen Vermögensverwaltung nie und nimmer. Er braucht Milliardenprofite aus dem Investmentbanking, und hier will er deshalb mehr Risiken eingehen, wie er vergangene Woche der «Welt am Sonntag» sagte.

Die aggressivere Strategiesoll einhergehen mit entsprechenden finanziellen Anreizen. Nachdem die Fixlöhne bereits erhöht worden sind, soll es auch wieder höhere Boni geben. Insbesondere soll mehr Bonus bar ausbezahlt werden – und nicht bloss in Form von (gesperrten) Aktien und Optionen. Bislang gilt eine Vereinbarung der UBS mit der Finanzmarktaufsicht des Bundes (Finma), wonach der Bar-Bonus maximal 1 Million Dollar betragen darf. Diese Beschränkung soll nun fallen. Die UBS macht zurzeit bei der Finma Druck für eine Abschaffung dieser Limite, wie Insider bestätigen.

In der «Financial Times» klagte ein UBS-Banker, die «tiefen» Bar-Auszahlungen würden es schwierig machen, fixe Ausgaben zu bezahlen, etwa für Hypozinsen oder die Privatschule der Kinder. Hinzu kommen die Steuern: Viele Banker müssen sich für den Fiskus verschulden. Zwei Konzernleitungsmitglieder nahmen bei ihrem Arbeitgeber einen Kredit auf: Jürg Zeltner, CEO Wealth Management, hat einen UBS-Kredit von 5,8 Millionen Franken, Chefjurist Markus U. Diethelm einen solchen von 3,9 Millionen.

Weder die UBS noch die Finma wollen sich zum Seilziehen um die 1-Millionen-Bar-Limite äussern. Finma-Sprecher Tobias Lux bestätigt aber, dass seine Behörde wegen der Vergütung zurzeit mit den Grossbanken in intensivem Kontakt steht. Er sagt: «Die Entlöhnungspolitik der grössten Finanzinstitute muss 2010 erstmals mit unserem ‹Rundschreiben zu den Vergütungssystemen› übereinstimmen. Die betroffenen Institute sind daran, die Vorgaben umzusetzen – die Finma begleitet diesen Prozess schon das ganze Jahr sehr eng.» Demnach, so Lux weiter, müssen Boni «nachhaltig erwirtschaftet sein und bezüglich Risiken keine falschen Anreize setzen».

Leichthin wird die Finma dem Wunsch der UBS nach höheren Bar- und sonstigen Boni nicht nachkommen. Die Aufsicht nutzt die höheren Eigenmittelvorschriften, die auf die Banken zukommen werden, um Druck auf die Boni auszuüben. Lux: «Unabhängig vom Rundschreiben achtet die Finma im Zusammenhang mit der Gesamthöhe des Bonus-Topfes auch darauf, dass dieser mit den Eigenmittelanforderungen, die zum Beispiel im Hinblick auf Basel III deutlich anwachsen, vereinbar ist.»

Zum Eigentor könnte für die UBS der Verzicht auf Dividenden werden, den sie angekündigt hat. Denn offenbar stellt sich die Aufsicht nun auf den Standpunkt, dass es nicht sein könne, dass die Aktionäre zugunsten der Eigenmittel-Erhöhung leer ausgehen, während an die Mitarbeiter Milliarden-Boni verteilt werden. Im letzten Jahr drückte die Finma den Bonus-Topf der UBS auf 2,9 Milliarden Franken – die Bank wollte 4 Milliarden, im Krisenjahr 2008 betrug der Topf 2,2 Milliarden. Zuvor waren über 10 Milliarden bereitgestanden.

Es wird sich zeigen, ob sich Oswald Grübel bei der Finma mit seinen Maximalwünschen durchsetzt. Im Gegensatz zum letzten Jahr, als die UBS ein tiefrotes Jahresergebnis vorlegte, kann der CEO diesmal ganz anders auftreten. Denn in den ersten neun Monaten 2010 hat die UBS einen Reingewinn von 5,9 Milliarden Franken erzielt, fürs ganze Jahr werden es 7 bis 8 Milliarden sein. Auch die Öffentlichkeit wird angesichts dieser Trendwende nicht mehr so laut aufschreien, wenn die Boni massiv erhöht werden.

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