QUOTE FÜR AUSLÄNDISCHE STUDENTEN

<b > Schweiz subventioniert jeden Ausländer mit 8000 bis 15000 Franken pro Jahr – nun wird eine Zulassungsbeschränkung geprüft.


VON NADJA PASTEGA

Die Schweizer Hochschulen werden von ausländischen Studenten überrannt – ihre Zahl stieg in den letzten zehn Jahren um 70 Prozent auf 33000. Die Entwicklung war ursprünglich gewollt: Die Bologna-Studienreform hat die Zulassung zu ausländischen Hochschulen europaweit erleichtert, um die Mobilität der Studenten zu fördern. Doch nun zeigt sich: Die Schweizer Unis kommt die Ausbildung der ausländischen Studenten teuer zu stehen.

«Es ist eine Tatsache, dass die Studierenden aus dem Ausland für die Universitäten ein Finanzierungsproblem schaffen», sagt Paul Richli, Rektor der Universität Luzern. Der Grund: Bei Schweizer Studenten beteiligen sich die Heimatkantone an den Ausbildungskosten – bei ausländischen Studenten dagegen zahlen deren Herkunftsländer keinen Rappen. Die Ausbildung der ausländischen Studenten zahlen die hiesigen Universitäten – beziehungsweise die Schweizer Steuerzahler.

Und diese Kosten sind hoch.«In den Fächern der Geistes- und Sozialwissenschaften kostet ein Studienplatz je nach Fach und Universität pro Jahr zwischen 12000 und 20000 Franken», sagt Uni-Rektor Paul Richli. Diese Kosten seien bei Studierenden aus der Schweiz zum grossen Teil oder sogar ganz gedeckt: durch den Beitrag des Heimatkantons, einen Beitrag des Bundes und die Studiengebühr.

Für Studierende aus dem Ausland werden nur der Bundesbeitrag und die Studiengebühr gezahlt. Das ergebe einen Betrag von 4000 bis 5000 Franken. «Damit lässt sich kein Studienplatz finanzieren», sagt Richli. Schlimmer noch: «Bei Studierenden aus dem Ausland ergibt sich eine jährliche Finanzierungslücke von 8000 bis 15000 Franken pro Student.» In den naturwissenschaftlichen Fächern sei dieses Defizit noch erheblich höher, warnt Richli: «Daher kann eine Universität nicht beliebig viele Studierende aus dem Ausland aufnehmen.»

Die Universität St.Gallen (HSG) hat schon vor Jahren reagiert: Sie hat den Ausländeranteil mit Aufnahmeprüfungen und einem Numerus clausus auf 25 Prozent beschränkt. Jetzt fassen auch andere Universitäten eine solche Massnahme ins Auge, um die Zuwanderung zu steuern: «Die Schweizer Rektorenkonferenz lässt derzeit prüfen, ob es rechtlich möglich ist, für Studenten aus dem Ausland Aufnahmetests und eine Quote wie an der HSG einzuführen», sagt Richli. «Mit einer Zulassungsbeschränkung», so der Luzerner Rektor, «würde man den Zulauf aus dem Ausland finanziell überstehen.»

Die Eidgenössische Technische Hochschule (ETH) hat bereits angekündigt, auf Masterstufe einen Numerus clausus einführen zu wollen – für Schweizer und Ausländer. Die ETH fürchtet einen Qualitätsverlust, wenn sie alle externen Bewerber im Masterstudium aufnehmen muss – von diesen Bewerbungen stammen inzwischen 90 Prozent aus dem Ausland.

Vor allem der gute Ruf der Schweizer Hochschulen kurbelt die Zuwanderung an. Einige der hiesigen Akademikerschmieden schneiden in internationalen Hochschul-Rankings regelmässig überdurchschnittlich gut ab. Das lockt vor allem Deutsche an – sie stellen 29 Prozent der ausländischen Studenten an den Schweizer Hochschulen.

Das Problem bei den Deutschen: Es kommen nicht nur gut qualifizierte. Anders als bei der Matur ist mit dem deutschen Abitur nicht automatisch der freie Zugang zum Studium verbunden: Einige deutsche Unis verlangen einen bestimmten Notenschnitt. Die Schweizer Universitäten müssen auch jene ausländischen Studenten aufnehmen, die in der Heimat keinen Studienplatz bekommen haben.

Die Zuwanderung droht für die Schweiz zum Bumerang zu werden. Bisher sind die Studienbedingungen an hiesigen Universitäten hochattraktiv: Angestrebt wird ein Betreuungsverhältnis von 1 zu 60 oder sogar 1 zu 40. Das heisst: Auf einen Professor sollen nicht mehr als 60 Studenten kommen, in einigen Fächern sogar nur 40 Studenten.

Von solchen Bedingungen können die Kommilitonen an deutschen Massenuniversitäten nur träumen. Doch die guten Betreuungsverhältnisse sind jetzt in Gefahr – wegen der Invasion aus dem Ausland: «Wenn die Zuwanderung weiter ungebremst steigt und das Finanzierungsproblem nicht gelöst wird, werden wir diese Betreuungsverhältnisse nicht halten können», warnt der Luzerner Universitätsrektor Richli.

Auch im Staatssekretariat für Bildung und Forschung (SBF) hat man das Problem erkannt und schliesst eine Ausländerquote nicht mehr aus. In der internationalen Mobilität liege für die Schweiz zwar «ein bedeutendes Potenzial», sagt SBF-Staatssekretär Mauro Dell’Ambrogio: «Dennoch muss es den Universitäten erlaubt sein, über ihre Grenzen nachzudenken und eine qualitative Zulassungsbeschränkung für ausländische Studierende einzuführen.»

Denkbar seien etwa «Aufnahmeprüfungen oder ein Numerus clausus, wenn die Qualität der Lehre anders
nicht mehr hochgehalten werden kann», sagt Dell’Ambrogio. Möglich seien auch Massnahmen, wie sie die Uni Basel in einigen Fächern bereits eingeführt habe: «Nur wer einen Studienplatz in Deutschland hat, wird in Basel zugelassen.»

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