VON MARTIN MEIER UND SARAH LOFFREDO

Porza nahe Lugano TI: In der «Osteria Della Posta» macht die Nachricht von Lees Tod schnell die Runde. «Incredibile» (unglaublich). «Orribile» (schrecklich). Hier im Ort haben sie Steve alle gekannt. «Er war für uns wie ein Familienmitglied», erzählen die Menschen. Ein sympathischer, offener, aber auch witziger Typ, der, wenn er im Ort war, «an allen Festen dabei war».

«Er war einer von uns», sagt Gemeinde-Sekretär Walter De Vecchi (51) dem «Sonntag». «Porza war der Ort, wo er ruhig sein konnte – weit weg von seinem Ruhm. Porza war sein Rückzugsort.»

Die 1500 Einwohner trauern. Weltweit sind es Hunderttausende. Tausende haben sich alleine im offiziellen Kondolenzbuch eingetragen. Zehntausende sind es auf Facebook, alleine «R.I.P. Steve Lee» zählt 65000 Beileidsbekundungen. In den iTunes-Alben-Charts belegten Gotthard zeitweise die Plätze eins bis sechs. Unvergesslich scheinen Hits wie «Heaven», «One Life, One Soul» oder «Lift U Up».

Was für die 22 Bikerinnen und Biker als Traum beginnt, endet im Albtraum. Es passiert am vergangenen Dienstag: «15 Meilen vor Mesquite zieht ein starkes Gewitter auf», erzählen die überlebenden Gruppenmitglieder. Zudem habe ein Motorrad technische Probleme gehabt. «Wir fuhren auf den Pannenstreifen und schalteten die Warnblinker ein.» Die Gruppe will sich Regenkleider überziehen. Da rast plötzlich ein Lastwagen auf die Gruppe zu. Der Truck rammt mehrere Motorräder. «Der Aufprall war so heftig, dass ein weggeschleudertes Motorrad Steve Lee traf und ihn zu Boden riss.»

Regungslos bleibt er liegen. Die Gruppe beginnt, den Sänger zu reanimieren. Minuten später ist der erste Polizeiwagen vor Ort. Kurz darauf der zweite. Wenig später landet der Rettungsheli. «Nach weiterem minutenlangem Reanimieren durch das Rettungsteam teilte die Ärztin allen anwesenden Personen den Tod von Steve mit.»

Der tragische Todvon Gotthard-Frontmann Steve Lee (47) reisst besonders bei einer Frau ein riesiges Loch ins Herz, seiner grossen Liebe Brigitte Voss-Balzarini (49). In einem an «Sonntag» geschickten SMS schreibt die Ex-Miss-Schweiz von 1981 eine Botschaft an die trauernden Fans: «Wir müssen diesen unerträglich grossen Schmerz gemeinsam durchstehen.»

Gestern wurde Brigitte die Urne mit den sterblichen Überresten von Steve überreicht. Morgen will sie in die Schweiz zurückfliegen. Der Sänger soll in seinem geliebten Porza die letzte Ruhe finden. «Er ist hier aufgewachsen», sagt Gemeinde-Sekretär De Vecchi. Wann Steve Lee beigesetzt wird, ist noch unklar. De Vecchi: «Es wird zwei Zeremonien geben. Eine Trauerfeier für die Angehörigen und Freunde. Und eine für die Öffentlichkeit.»

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